Mit dem Disavow-Tool von Google schädliche Links entwerten

Taschenrechner Linkbewertung

30.06.2015

Die Rankings bei Google bauen seit Anfang an maßgeblich auf Backlinks auf. Natürlich gesetzte Backlinks dienen als Empfehlung und so als Indiz für Google für die Relevanz des Inhalts. Wer auf seiner Website eine andere Website verlinkt, der empfiehlt die verlinkte Website ja seinen Besuchern und schickt sie dort rüber. Je mehr auf eine Domain oder deren Unterseiten verlinkt wird, desto wichtiger und relevanter scheint sie für das entsprechende Thema zu sein und wurde entsprechend gut bewertet von Google.

Früher galt mal der Spruch: „Je mehr desto besser“. Die SEOs der Welt haben damit dann aber übertrieben, weil sie schnell herausgefunden haben, dass es keine oder wenige Qualitätskriterien gab. Link war Link. Schnell mal 10.000 Links gekauft und auf die eigene Website gerichtet – schon hatte man gute Rankings. Das hat eine Weile funktioniert.

Das hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Google möchte dem Nutzer von Google nach Eingabe eines Suchbegriffes die qualitativ besten Ergebnisse anzeigen. Durch diese übertriebenen SEO-Maßnahmen, nämlich dem massenhaften Link-Setzen wurden aber Seiten auch mit sehr schlechten Inhalten in den Suchergebnisseiten nach oben gespült, die den Google-Nutzer dann oft nicht zufrieden stellen.

Durch ein Update des Google-Algorithmus wurde dem Link-Spamming dann seitens Google der Kampf angesagt. Das Update hat den Namen „Pinguin“ bekommen und wurde erstmals am 24. April 2012 aktiv und seitdem mehrfach überarbeitet und aktualisiert. Viele früher gesetzte Links sind deshalb nun nicht nur weniger hilfreich, sondern tatsächlich schädlich, was zu Herabstufungen der Website führen kann, entweder über den Google-Algorithmus oder gar über eine manuelle „Abstrafung“ vom Spam-Team bei Google. Hier sitzen wirklich Mitarbeiter, die sich auffällige Domains inkl. der Backlinkstruktur anschauen und dann ggf. eine Website manuell abstrafen. Die Nachricht dazu findet man dann in der Google „Search Console“ (früher „Google Webmaster Tools“).

Was kann man also tun, um schädliche Links los zu werden:

  1. Wenn man selbst Zugriff auf die linkgebenden Domains hat, dann natürlich selbst den Link entfernen oder mit dem Meta-Tag nofollow kennzeichnen.
  2. In der Regel hat man keinen Zugriff auf den Link und kann ihn nicht entfernen. Dann sollte man versuchen den Webmaster der linkgebenden Seite z. B. per Mail zu erreichen und ihn bitten den Link von der Seite zu entfernen oder wenigstens auf nofollow zu setzen.
  3. Oft ist es so, dass z. B. Admins von Bookmark- oder Artikelverzeichnissen oder natürlich auch anderen Websites nicht auf Anfragen reagieren oder ignorieren und die Links weiterhin aktiv sind und damit weiter schaden. Dann bleibt noch der Weg Google mitzuteilen, dass der Link nicht weiter beachtet werden soll, sondern quasi entwertet werden. Hierfür hat Google in der Search Console ein Tool zur Verfügung gestellt, welches wir hier etwas näher vorstellen möchten. Das Disavow-Tool.

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Um das Disavow-Tool zu nutzen müssen Sie Ihre Website in der Search Console angemeldet haben. Das haben die meisten sicherlich.

Loggen Sie sich dann in die Search Console ein und rufen Sie folgenden Link auf:
https://www.google.com/webmasters/tools/disavow-links-main

Aus der Search Console ist das Tool nicht direkt verlinkt. Wenn man in Google eingeloggt ist, kann man aber über den o. g. Link direkt darauf zugreifen. Einfach in einem zweiten Browser-Tab öffnen.

Sie erhalten dann eine Auswahl Ihrer über das Google-Konto angemeldeten Webseiten. Wählen Sie die Website aus, für die Sie einen oder mehrere Links abwerten möchten.

google_disavow_1

Sie müssen dann nochmal explizit bestätigen, dass Sie wirklich Links entwerten möchten.

google_disavow_2

Es folgt eine Aufforderung eine TXT-Datei mit den zu entwertenden Links hochzuladen. Auch hier gibt es nochmal einen Warnhinweis. Sie merken: Google möchte nicht, dass Sie dort aus Versehen das Falsche tun.

„Es handelt sich hierbei um eine erweiterte Funktion, die nur mit Vorsicht eingesetzt werden sollte. Bei unsachgemäßer Verwendung kann sie sich nachteilig auf das Abschneiden Ihrer Website in den Suchergebnissen von Google auswirken. Sie sollten Backlinks nur für ungültig erklären, wenn Ihrer Ansicht nach eine erhebliche Anzahl von Spam-Links, künstlichen Links oder minderwertigen Links auf Ihre Website verweisen und Sie sich sicher sind, dass diese Ihnen Probleme verursachen.“

google_disavow_3

In der Text-Datei muss im Format TXT und einer Codierung UTF-8 oder 7-Bit-ASCII sein. Die Links einfach unter einander auflisten – d. h. die linkgebenden URLs müssen dort zu finden sein.

Sie können in der Textdatei weitere Informationen zu den ausgeschlossenen Links hinzufügen. Jede Zeile mit beschreibendem Text muss mit dem Zeichen „#“ beginnen (alle Zeilen mit # am Zeilenanfang werden ignoriert). Laden Sie nicht die gesamte Liste der Links zu Ihrer Website hoch: Die Textdatei, die Sie hochladen, sollte die Liste der Links enthalten, die Google ignorieren soll.

Hier ein Muster, wie so eine Datei aussehen kann:

# beispiel.de Die meisten Links wurden entfernt. Diese hier wurden vergessen
http://spam.beispiel.de/stuff/comments.html
http://spam.beispiel.de/stuff/paid-links.html
# Inhaber von shadyseo.com kontaktiert am 24.04.2015
# zur Entferntung der Links. Keine Antwort erhalten.
domain:shadyseo.com
Quelle: Google Webmaster Hilfe

Es kann mehrere Wochen dauern, bis die Links entwertet werden. Wichtig zu wissen ist, dass die Links weiterhin in der Search Console unter „Eingehende Links“ angezeigt werden, auch wenn sie entwertet werden. Auch XOVI zeigt im Linktool weiterhin die gefundenen Links an – unabhängig davon, ob sie über das Disavow-Tool gemeldet wurden. Die Links gibt es ja weiterhin auf der linkgebenden Seite.

Zwei Dinge sollte man noch wissen:

a) Man kann die Abwertung auch rückgängig machen. Es dauert aber.

Dazu entfernt man aus der hochgeladenen Text-Datei die Links, die man wieder reaktivieren möchte und lädt die neue Datei wie zuvor hoch. Alte Versionen werden dann nicht mehr beachtet und nur noch die neue Liste hat Gültigkeit. Wenn der Googlebot das nächste Mal auf der linkgebenden Seite ist, dann ist die Entwertung nicht mehr aktiv und der Link wird wieder berücksichtigt. Das kann aber genau wie das Entwerten eines Links Wochen dauern und die Auswirkungen ebenso lange anhalten.

b) Die linkgebende Domain wird durch Meldung im Disavow-Tool nicht herabgestuft.

Laut Auskunft von Google werden die gemeldeten, zu entwertenden Links, nicht als Strafe für den Webmaster des Backlink-Gebers genutzt. Das wäre auch fatal, denn Links auf der gleichen Seite zu anderen Domains können ja sehr hilfreich und absolut nicht schädlich sein. D. h. hier würde dann ja eine Seite kollektiv abgestraft, obwohl der Webmaster des Backlink-Gebers nichts falsch gemacht hat.

Fazit

Das Disavow-Tool ist ein recht wirkungsvolles Tool und gehört so gesehen auch zu den wichtigsten SEO Tools. Es gibt dem Betreiber einer Seite die Gelegenheit gezielt schädliche Links abzubauen und das Linkprofil zu bereinigen. Dabei setzt Google quasi einen unsichtbaren nofollow-Tag auf die Links. Trotzdem sollte man behutsam damit umgehen, weil man eben auch „gute“ Links aus Versehen abwerten kann. Zudem sollte man wirklich erst probieren den Link selbst zu entfernen oder entfernen zu lassen – ohne die Hilfe von Google. Das ist der sauberere Weg.

Wir haben hier noch ein Video, in dem Matt Cutts von Google das Tool erklärt. Das Video ist von der Einführung des Tools im Oktober 2012, aber immer noch gültig.

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  • Gut, lesbarer Beitrag, danke dafür. Bei ein Paar Spamlinks ist das Disavow-Tool wohl hilfreich. Mich würde interessieren, wie die Webmaster vorgehen, wenn ihre Webseite von einer negativen SEO-Attacke betroffen ist, mit 100+ Tausend Spamlinks (heutzutage sehr oft). Bei der Anzahl der Links verliert man dann total den Überblick. Erfahrungsberichte von anderen, kann es Jahre dauern bis die Spamlinks dann wirklich entwertet sind…

  • Sehr gute Einleitung! Aber: Wie verfahre ich mit Links von Scraper-Seiten, die vollautomatisch einen Backlink auf mich setzen, ohne dass ich darauf auch nur den geringsten Einfluss hätte? Muss ich da präventiv mein Backlinkprofil durchforsten und solche Links, so sie mir in die Hände fallen, an Google melden? Oder passiert das schon mal, dass Google eine Seite abstraft, weil sie wider Willen einen Batzen Backlinks von Scrapern aufweist (besonders, wenn sie klein ist und nur wenige natürlich entstandene Backlinks aufweist)?

    • Hallo Jacek,

      ja – auch bei Backlinks von Scraper-Seiten bleibt Dir nichts anderes übrigt. Die wirst Du ja nicht selbst entfernen können. Insofern müsstest Du die sammeln und dann in die TXT-Datei mit aufnehmen, wenn Du sie entwerten willst. Google erkennt durchaus solche Seiten auch als Spam-Seiten, aber darauf würde ich mich nicht immer zu 100% verlassen. Kann ja was dauern, bis Google diese Seiten verbannt und die Links nicht wertet. Mittlerweile ist Google da ganz gut drin – aber sicher ist sicher.

  • Sehr guter Text!
    Ich hätte nur eine frage, muss dann jeder link einzel mit dem Programm runter gestuft werde, oder gibt es eine andere möglichkeit mehrere Links zu filtern und direkt auf No follow zu setzen?
    Gruß Simon