Integriertes Online Marketing – Kümmert Euch endlich wieder um den Kunden! Teil 1

21.07.2015

„Wir müssen den Call-to-Action Button noch 10px größer machen!“
„Die CTR ist um 0,2% zurückgegangen, was unternehmen wir dagegen?“

Solche Aussagen und Fragen kennt wohl jeder, der im Bereich Online Marketing unterwegs ist. Natürlich ist die Messung und Optimierung solcher Key Performance Indikatoren ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit, aber ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger: Wann haben wir eigentlich verlernt, die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden in den Fokus zu rücken anstelle von Zahlen und Daten?

Nicht umsonst gibt es im klassischen Marketing die Philosophie „Integriertes Marketing“. Diese beschreibt die Ausrichtung aller Unternehmensprozesse auf den Kunden. Die Kundenorientierung steht also für alle Unternehmensbereiche an erster Stelle.

Es ist schon auffällig, dass es für den Begriff „integriertes Online Marketing“ kaum relevante Suchergebnistreffer gibt. Schaut man sich die rankenden Websites an, ist hier mit „integriert“ hauptsächlich die Nutzung verschiedener Online-Kanäle gemeint.

Erschreckend, dass Alle Inhalte produzieren wollen (377.000.000 Ergebnisse für „Content Marketing“), sich aber anscheinend die Wenigsten Gedanken um die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden machen (350.000 Ergebnisse für „integriertes Online Marketing“).

Aus diesem Grund habe ich für dich eine Liste mit Best-Practise Beispielen zusammengestellt, die zeigen, dass es dort draußen noch echt Pioniere gibt! Diese Pioniere heben sich durch folgende Punkte von der breiten Masse ab:

  • Individuelle Ausrichtung auf die Zielgruppe
  • Außergewöhnliches Design
  • Begeistern mit Leistungen und Funktionen
  • Mut zu neuen Kanälen

Individuelle Ausrichtung auf die Zielgruppe

Kennst du deine Zielgruppe? Also so wirklich?
Um dein Online Marketing zu 100% auf deinen Kunden auszurichten, musst du deine Zielgruppe kennen und verstehen. Dazu gehört die Kenntnis von demographischen Daten (Alter, Geschlecht, Wohnort etc.), technischen Daten (Desktop, Android, IOS etc.) und Daten zu Verhaltensweisen und Einstellungen (Suchpräferenzen, Kaufpräferenzen, Motive, Bedürfnisse, Probleme etc). Viele dieser Werte lassen sich z.B. mit Google Analytics erheben, andere Daten lassen sich hingegen nur mit klassischer Marktforschung eruieren.

Nur wenn ich meinen Kunden verstehe, kann ich ihm Inhalte und Lösungen liefern, die ihn wirklich interessieren!

Nehmen wir als Beispiel Karl Kratz. Mit seinem Onlinethinketing Seminar spricht er alle Angestellten und Freiberufler im Bereich Online Marketing an. Diese Zielgruppe gliedert sich genau in zwei Kategorien: Strategen und Operative. Dementsprechend spricht er beide Zielgruppen mit komplett unterschiedlichen, auf die Zielgruppe zugeschnittenen, Texten an.

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(Quelle Screenshot: www.online-marketing.net/seminar)

Diese Zielgruppenorientierung lässt sich beliebig stark weiterführen. Studien aus dem Bereich Gender Marketing haben z.B. herausgefunden, dass Frauen sich stärker von einer persönlichen und wortreichen Ansprache auf Websites begeistern lassen und offener für Storytelling sind. Männer hingegen bevorzugen eine formale Ansprache und Faktenwissen. Nutzt du in deinem Online Shop schon genderspezifische Produkttexte? Worauf wartest du also noch?

Auch im Hinblick auf die technische Nutzung solltest du deine Zielgruppe kennen. Nicht nur das Design deiner Website sollte heutzutage responsiv sein, auch die Inhalte sollten an das Endgerät angepasst werden. In der Desktop-Ansicht kannst du große Grafiken und lange beschreibende Texte verwenden. Auf dem Smartphone allerdings sollten deine Inhalte schnell laden (optimierte Grafiken) und auf das Notwendigste beschränkt sein. Denn wer liest schon gerne Romane auf dem Smartphone?

Der aber wohl wichtigste Punkt bei der Zielgruppenorientierung ist, die Probleme und Bedürfnisse der Zielgruppe zu kennen.

Hier zwei Beispiele aus der Versicherungsbranche:

cosmo_direkt_homepage

(Quelle Screenshot: cosmosdirekt.de/risikolebensversicherung)

Die LandingPage der CosmosDirekt kommuniziert die Vorteile Ihrer Versicherung (Sieger Stiftung Warentest, Preis, Geschwindigkeit). Eine übliche Vorgehensweise bei LandingPages, die aber wenig zielgruppenorientiert ist.

ergo-direkt_homepage

Die LandingPage der ERGODirekt hingegen geht direkt auf die Motive ein, die man hat, wenn man eine Risikolebensversicherung abschließen möchte (Schutz der Familie, Partnerabsicherung, Absicherung von Darlehen) und beweist damit wesentlich mehr Feingefühl als die Konkurrenz.

Die Learnings zum Thema „individuelle Ausrichtung auf die Zielgruppe“:

  • Lerne deine Kunden kennen! Kein Bauchgefühl! Nutze Analyse-Tools wie Google Analytics und betreibe Marktforschung!
  • Finde heraus, was deine Zielgruppe benötigt! Löse das Problem deiner Zielgruppe!
  • Richte deine Inhalte (Texte, Bilder, Farben, Designs, Funktionen, etc) auf deine Zielgruppe aus!
  • Kontrolliere und entwickele dich ständig weiter! Tipp: Nutze Social Media, Kundenzufriedenheitsanalysen etc., um den Kontakt zu deiner Zielgruppe nicht zu verlieren!

Außergewöhnliches Design

Du benutzt Tools wie Heatmaps und Usability-Tests? Deine Seite entspricht den neuesten technischen Anforderungen und überzeugt mit einem schönen Design? Sehr gut!

Aber wie einfach ist die Handhabung deiner Website tatsächlich? Stelle dir eine ganz einfache Frage: Kommt meine Großmutter mit der Website zurecht? Wenn du dies mit „Ja“ beantworten kannst, brauchst du an dieser Stelle nicht weiterzulesen. Für alle anderen kommen hier ein paar Beispiele von Websites, die WIRKLICH einfach zu bedienen sind.

Nehmen wir z.B. einen internationalen Konzern mit ca. 52.000 Mitarbeitern und einem geschätzten Jahresumsatz von ca. 60 Mrd. Dollar. Was gehört alles auf die Startseite eines solchen Konzerns? Welche Leistungen sollen abgebildet werden und welche Geschäftsfelder? Hier die einfache Antwort:

google_hompage

(Quelle Screenshot: www.google.de)

Google zeigt eindrucksvoll, wie einfach Design sein kann. Die Internetsuche, die Kernleistung des Internetriesen, steht klar im Vordergrund und alle anderen Funktionen und Informationen werden ausgeblendet.

Dies funktioniert nur bei Google? Falsch!

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(Quelle Screenshot: www.udemy.com)

Udemy, eine Online Plattform für E-Learning Kurse, überzeugt ebenfalls mit simplem Design und einfacher Bedienung. Der User gibt einfach das Thema ein, zu dem er etwas lernen möchte, und bekommt anschließend eine Auswahl mit passenden Kursen angezeigt.

Natürlich musst du diese Designs nicht kopieren, aber die Beispiele zeigen auf, was für alle Websites gelten sollte: Keep it short and simple!

Denn auch der größte DAU sollte mit deiner Website zurechtkommen.

Gutes Design vereinfacht aber nicht nur die Bedienung deiner Website. Es kann sogar dazu führen, dass langweilige Registrierungsprozesse beginnen Spaß zu machen. Schön umgesetzt wurde das z.B. von Babbel, einer Online Plattform zum Erlernen von Sprachen. Die Fragen zur Registrierung werden spielerisch während der ersten kostenfreien Lektionen eingeblendet. So wird das übliche Formular umgangen und der User empfindet den Prozess nicht als störend.

babbel_com_01

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(Quelle Screenshot: de.babbel.com)

Die Learnings zum Thema „Außergewöhnliches Design“:

  • Das Design deiner Website muss deine Kernleistungen in den Vordergrund stellen!
  • Mache es deiner Zielgruppe so einfach wie möglich! (Keep it short and simple!)
  • Gucke nicht bei der Konkurrenz ab! Deine Website sollte so einzigartig sein wie dein Logo! Trau dich was!
  • Nutze moderne Usability-Tests wie Eye-Tracking, Heatmaps und Tests zur Scrolling-Tiefe!

Im zweiten Teil zeige ich dir, wie du deine Kunden mit besonderen Leistungen auf deiner Website begeistern kannst und welche Vorteile es haben kann, First Mover auf neuen Kanälen zu sein.

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  • Vielen Dank für diesen inspirierenden Beitrag! Sollte man sich glatt ausdrucken und an die Wand hängen….

    • Vielen Dank Herr Heger für diesen freundlichen Kommentar!

  • Vielen Dank für die sehr guten Hinweise – wir stellen schon fest, dass in vielen Unternehmen bereits ein starkes Umdenken weg von der Innensicht und hin zur Kundensicht stattfindet – gerade auch im Hinblick auf die Ansprache und Architektur in Online-Angeboten. Was uns immer wieder sehr gut hilft, sind Personas, um tatsächlich ein Bild von den Nutzern und ihren Bedürfnissen vor Augen zu haben.

  • KISS ist fast immer gut. Man könnte zwar einwenden, dass z. B. Google einfach keine weiteren Informationen mehr auf der Startseite braucht. Oder dass Babbel sich natürlich jeden Firlefanz sparen kann, sobald mir klar ist, dass ich jetzt Dänisch lerne. – Aber was macht einer, der ein breitgefächertes Angebot ins Schaufenster stellen will?
    Trotzdem: Die Orientierung auf „Keep it short & simple“ bleibt auch da richtig. Man muss halt schauen, ab welchem Punkt der User nur noch ??? in den Augen hat…

    Kann ich Ihren Beiträgen irgendwo regelmäßig folgen? – AW bitte @ E-Mail.