Google veröffentlicht erstmals Search Quality Rating Guidelines komplett

23.11.2015

Google sorgt erneut für eine Überraschung. Während in den vergangenen Jahren die Richtlinien für das Search Quality Team geleaked wurden und nur unvollständig bekannt geworden sein, hat Google nun die Guidelines selbst zur Verfügung gestellt – in voller Länge zum Download.

Was sind die Guidelines überhaupt?

google_search_quality_rating_guidelines_top_secretGoogle entwickelte von Beginn an einen automatischen Algorithmus, um die Qualität von Webseiten zu bewerten. Bei den Milliarden von Websites im Netz und den wohl mindestens genauso vielen Suchanfragen ist natürlich klar, dass die Auswahl der qualitativ besten Websites zu einer Suchanfrage nicht manuell gemacht werden kann. Google hat auch aus diesem Grund den dazu gehörigen Algorithmus weiter entwickelt und ihn permanent angepasst. In diesem Zusammenhang sprechen wir von ca. 300 bis 400 Updates im Jahr. Die „großen“ Updates sind z. B. unter dem Namen Pinguin, Panda und Hummingbird bekannt. Diese gehören zu den Updates mit den stärksten Auswirkungen auf die Suchergebnistreffer. Google experimentiert zudem mit dem Suchalgorithmus und erhält von sog. Quality Ratern ein entsprechendes Feedback; dieses fließt zurück in die Entwicklung und wird dort für eine Weiterentwicklung ausgewertet. Zur objektiven Beurteilung von Websites werden den Quality Ratern entsprechende Vorgaben seitens Google gemacht; nur so kann eine einheitliche Definition von „Qualität“ auch gewährleistet werden. Aus diesem Grund sind die sog. Seach Quality Rating Guidelines (oder auch General Guidelines) entstanden. Dort wurde festgelegt, welche Kriterien Google für das Vorliegen von „Qualität“ voraussetzt.

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Matt Cutts hat bereits vor drei Jahren in einem Video erklärt, wie Google mit Quality Ratern arbeitet, um den Algorithmus verbessern zu können. Hier das Video:

Natürlich sind diese Guidelines für jeden Suchmaschinenoptimierer höchst interessant, da sich so Kriterien für eine qualitativ hochwertige Webseite ableiten lassen, die sich wiederum positiv auf die Rankings einer Webseite auswirken könnten. Google hat allerdings zum Ausdruck gebracht, dass diese Bewertungs-Kriterien der Quality Rater eben keinen Rankingfaktor begründen. Dies wird jedoch von einigen bezweifelt…

Die Search Quality Rating Guidelines im Einzelnen

Im ersten Kapitel „General Guidelines Overview“ gibt es zunächst einen Überblick: hier werden wichtige Begriffe erklärt sowie technische Fragen, z. B. zu Browsern, Adblockern und Antivirensoftware.

Im nächsten Kapitel „Page Quality Rating Guideline“ geht es um die Qualität einer Webseite. Es folgen die Kriterien für die Unterscheidung, ob eine Page, URL und Website vorliegt.

Die Page ist ein einzelnes Dokument im World Wide Web, das durch Browser aufgerufen wird. Es zählen hier also alle einzelnen Seiten für eine Bewertung. Die URL ist die „Adresse“, die Browser benötigen, um ein Dokument im Internet zu finden. Die Website oder Site ist eine Sammlung von Dokumenten, die untereinander verlinkt sind und z.B. alle zu einer Firma gehören.

Die Quality Rater sollen also nun einzelne Dokumente und Websites nach ihrer Qualität bewerten. Dazu wird ihnen eine Skala an die Hand gegeben, die wie folgt aussieht:

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Es sind Abstufungen zwischen Lowest, Low, Medium, High und Highest ersichtlich. So kann zwischen neun verschiedenen Stufen unterschieden werden, deren Merkmale im Einzelnen erläutert werden.

Mobile User

Die Anzahl der Suchen in Google über ein mobiles Endgerät steigt unaufhörlich. Mit dem Mobile Friendly Update hat Google bereits im Frühjahr reagiert und – selten bei Google – ein entsprechendes Update sogar angekündigt. Ist eine Seite nicht für mobile Endgeräte optimiert, werden diese Seiten im Umkehrschluss auf Tablets und Handys nicht gut ranken. Damit berücksichtigt Google auch das veränderte Suchverhalten der Internetuser.

Das dritte Kapitel „Understanding Mobile User Needs“ bezieht sich allerdings nicht nur auf die Benutzerfreundlichkeit von Webseiten (Responsiv oder auf Mobile optimiert), sondern auch auf inhaltliche Faktoren. Dazu erklärt Google zunächst das Nutzerverhalten und vor allem die Userabsicht hinter der Suche von „mobilen Usern“. Warum sucht jemand etwas? Welche Informationen erwartet er von Google, wenn er ein Keyword eingibt?

Schön deutlich wird dies bei der Grafik aus den Guidelines:

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Das Suchwort war hier „apple“. Was sucht der User wirklich? Die Marke „Apple“, den „Apfel“, den Namen einer Person oder eine Stadt in Oklahoma? In diesem Zusammenhang zeigt sich die Herausforderung für Google, dem User das gewünschte Ergebnis anzeigen zu können. Dies gilt natürlich nicht nur für die mobile Suche, sondern auch für die Suche auf dem Desktop.

Im vierten Kapitel der Search Quality Rating Guidelines geht es um die „Needs Met Rating Guideline“ und somit um eine Beurteilung, ob die angezeigte Website zu der Suchintention des Users passt und ihn die angezeigte Information zufrieden stellt. Auch hierbei gibt es Abstufungen, die von Google klar definiert werden:

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Im letzten Kapitel „Using the Evaluation Platform“ gibt es Handlungsempfehlungen für die Bedienung des Tools durch die Quality Rater. Anhaltspunkte zur Bewertung der Qualität einer Webseite, die für SEOs interessant wären, gibt es hier jedoch nicht.

Fazit

Ursprünglich nur Quality Ratern intern zugänglich, hat Google mit der Veröffentlichung der Search Quality Rating Guidelines erstmalig internes Wissen auf 160 Seiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es stellt sich die Frage, warum der Suchmaschinenriese sein Verhalten dahingehend geändert hat und die Informationen sogar im eigenen Blog gepostet hat.

Mimi Underwood, Sr. Program Manager, Search Growth & Analysis, hat in dem Blogpost jedoch erklärt, dass es sich nicht um eine „finale“ Version des Dokuments handle und dass es wohl nie eine finale Fassung geben werde.

Mit Blick auf den Informationsgehalt des Dokuments fällt zudem auf, dass viele Qualitätskriterien in der Zwischenzeit bekannt sind und auch das letzte Google Update, der Panda, mit der Qualität einer Webseite in Verbindung gebracht wird.

Wer sich die Google Guidelines ansehen möchte, findet diese hier zum Download als PDF.

Die Grafiken in diesem Artikel sind aus den Guidelines entnommen.

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