Kühler Kopf bei Google Updates

Kein Panik beim Google Medic Update
Nils Ehlert

Nils Ehlert | 24.08.2018

Während viele direkt bei jedem Google Update in den ersten Tagen auf den Panik Knopf drücken, wissen erfahrene SEOs, erstmal einen kühlen Kopf zu bewahren und abzuwarten. Nach neuesten Erkenntnissen, die auch von Pedro Dias (Tweet) bestätigt wurden, hat das Update für den Google Algorithmus am 1. August 2018 entgegen populären Vermutungen nicht gezielt auf eine bestimmte Branche abgezielt.

Keine Panik, wenn der Medic kommt

In der SEO Szene hat sich innerhalb weniger Tage der Term „Medic“-Update für das Google Core Update vom 1. August breit gemacht. Barry Schwartz, einer der bekanntesten Köpfe der amerikanischen SEO Szene, gab dem jüngsten Core Algorithm Update seinen Namen – und der Rest sprang auf diesen Zug auf. Hört sich ja auch schön dramatisch an, oder? Der Branchenbezug der vermeintlichen Ziele des Updates war damit unwiderruflich etabliert. Doch dabei sollte nicht so vorschnell gehandelt werden.

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Gerade weil SEO im Gegensatz zu SEA auf den Aufbau von nachhaltigen Online Marketing Erfolgen setzt, ist es wichtig, Google Updates nicht als SEO Strategie-Diktator erster Stunde zu sehen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Google Core Updates ignoriert werden sollten. Schließlich hat sich mit den Google Updates Panda und Pinguin auch langfristig die SEO Welt verändert. Dennoch bringt Google seit dem Einsatz von RankBrain (Google’s künstlicher Intelligenz im Algorithmus), schon seit dem letzten Jahr viel seltener große Updates mit massiver SEO Tragweite raus.

Dr. Mueller klärt auf

Nicht erst seit dem Panda Update steht guter Content für Google mit an erster Stelle, wenn es um zufriedene Sucher geht. Durch den Einsatz von RankBrain ist auch das Nutzerverhalten Teil der Content Erfahrung. Auch mit den kleinen Updates, die dieses Jahr stetig von Google durchgeführt wurden (und auch in Zukunft weiterhin kommen werden), steht auch hier guter Content als Zeichen der Qualität der Seite als Rankingfaktor weit oben. Dies hat John Mueller auch zum Google Core Update vom 1.8 bereits bestätigt:


Bei “gutem Content” geht es vor allem darum, den User Intent zu befriedigen. Antworten oder Informationen zu liefern, die hinter einer Suchanfrage stecken. Und das möglichst nutzerfreundlich mit den Inhalten und Formaten, die den idealen Mix aus User Intent und User Experience ausmachen.

Mueller im Webmaster Hangout vom 21.08.2018

Die Aufregung hält also an. Die SEO-Welt kratzt sich am Kinn. Was nun? Die Tweets von Google geben gewohnt vage Antworten. Vielleicht hat John Mueller konkretere Antworten im Webmaster Hangout, dachte sich wohl Barry Schwartz und fragte am 21.08.2018 im Google Webmaster Hangout nach mehr Infos.

Barry Schwartz fragte:

“I was wondering if this any advice, outside of the advice already given to those who were impacted by the August first-ish broad core update. Is anything more you want to tell anybody about that, that hasn’t been communicated outside of just keep working on your site and making it better?”

Ich frage mich, ob es irgendwelche Empfehlungen gibt – über die Empfehlungen hinaus, die bereits an die gegangen sind, die von dem breiten Core Update vom ersten August betroffen sind. Gibt es noch irgendetwas über “arbeitet weiter an eurer Seite und macht sie besser” hinaus, etwas, das noch nicht kommuniziert wurde?

Die Antwort von John Mueller war:

“Not really”.

Nicht wirklich.

“So that’s something we have looked at together for a while, to see what we can tell people about that. But essentially these are algorithmic changes as they can happen any time. And it’s not a matter of us saying like these sites are bad suddenly and they need to change. But rather things have evolved like things change overall and then that can be reflected in the search results as well.”

Das ist etwas, das wir uns schon eine Weile angeschaut haben. Um zu sehen, was wir Leuten darüber sagen können. Im wesentlichen sind das Veränderungen im Algorithmus, wie sie jederzeit passieren können. Es geht dabei nicht darum, dass wir plötzlich sagen “diese Seiten sind schlecht und sie müssen sich verändern”. Dinge entwickeln sich weiter, verändern sich und das wiederum spiegelt sich auch in den Suchergebnissen wieder.

Im Grunde ist es nichts neues. Und das ist auch nicht wirklich überraschend. Veränderungen im Algorithmus können jederzeit passieren. Schließlich steckt eine lernende KI dahinter und kein von Menschen gemachter Zeitplan. Es können große oder kleine Veränderungen sein.

Ständig sofort auf jede Veränderung zu reagieren, ist kein gutes SEO. Das ließe keine langfristige SEO Strategie zu. Alles, was man davon hat, wäre Paranoia. Die Angst, dass jede noch so kleine Schwankung jetzt das Ende bedeutet, wenn nicht sofort reagiert wird.

Das Medic-Update in der Untersuchung

Seit drei Wochen schrillt in der SEO Szene die Medic-Sirene so laut, dass sie andere Themen fast verstummen lässt. Ja, es gab ein Core Update. Ja, wie es scheint, hat die Gesundheitsbranche ein Fieber erwischt, das in den ersten Tagen besonders hoch war. “Medic” Indeed.

Jeder Schnupfen geht vorbei:

Wie bereits klargestellt wurde, waren die betroffenen Seiten nicht gezielt aus der Gesundheits- und Medizinbranche. Auch mit dem Blick in die XOVI Suite lässt sich diese Erkenntnis bestätigen.

Sichtbarkeitsindex: Modehäuser wie Asos und Karstadt sind ebenfalls vom Medic Update betroffen

Denn selbst Mode- und Kaufhäuser wie Karstadt und Asos wurden ebenfalls von dem Update betroffen. Aber das allerwichtigste lässt sich an dem weiteren Verlauf des Graphen erkennen. Denn die Turbulenzen des Updates ebbten bereits nach circa einer Woche wieder ab. Eine sofortige Reaktion auf den Einbruch im Ranking wäre also fatal und am Ende unbegründet gewesen. Es ist wie bei einer Impfung. In den ersten Tagen kann der Körper mit Symptomen reagieren, die sich dann aber wieder legen. Domains, die in den ersten Tagen nach dem Roll-Out des Medic Updates starken Schwankungen unterworfen waren, erholen sich allmählich wieder. Darum ist es wichtig, die Auswirkungen über einen etwas längeren Zeitraum zu beobachten.

Zusätzlicher Hinweis:
Außerdem waren auch definitiv nicht alle sogenannten YMYL (Your Money Your Life – Dein Geld, Dein Leben) Seiten von dem Google Update negativ betroffen, wie zum Beispiel die Domain der Ärztekammer Nordrhein zeigt:

Die Ärztekammer Nordrhein ist vom Google Medic Update nicht betroffen

Sowie bei Krankenkassezentrale.de:

Google Medic Update: Keine Veränderung bei krankenkassezentrale.de

Und das gleiche Spiegelt sich auch im Finanzwesen wieder:

Keine Veränderungen bei der Deutschen Bank nach Google Medic Update

Erfahrene SEOs wissen, dass sie die Auswirkungen von solchen Core Updates erst einmal eine Weile beobachten sollten, bevor wirklich zu Maßnahmen gegriffen wird.

Praxis Tipps: Sicher durch Google Updates

Natürlich gibt es kein Mittel, dass dich in jedem Fall von Google Updates unberührt lässt. Penguin und Panda haben die SEO-Welt grundlegend verändert. Auch in der Zukunft wird es solche Updates geben. Voice Search ist ein großes Thema, das in der Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit zu weitreichenden Veränderungen führen wird. Mit etwas Witz wird das Sprachsuche-Update “Parrot” heißen. Die Technologie entwickelt sich weiter, damit auch das Informations- und Suchverhalten der Nutzer.

Das ultimative Ziel von Google ist es, dem User genau die Antworten in dem Format zu liefern, die er sucht.

Damit ist Content eine zukunftssichere Strategie, um deine Rankings abzusichern. Mache also Content langfristig zu einem deiner SEO-Stützpfeiler. Dabei ist es wichtig, dass du dir zu Inhalt und Form Gedanken machst. Setze dich mit Videos auseinander. Schau, welche Inhalte auf welchen Devices in welcher Form zu welchen Themen ranken. Überprüfe, wie wichtig Voice Search für deine Branche ist, denn das Schema.org Markup Speakable ist bereits in der Testphase.

Doch dabei gilt nicht das Mottto “Viel hilft viel”. Werde nicht übergewichtig und gemächlich, sondern bleib fit und agil.

Konkret bedeutet das:

1. Muskelaufbau: Entwickle Content weiter

Bring nicht einfach nur Content online und lass ihn dann im Archiv versauern. Es macht durchaus Sinn, sogenanntes Republishing zu betreiben. Verwandle eine Seite nach und nach in eine holistische Seite, die mit mehr relevanten, bzw. aktualisierten Inhalten angereichert ist.
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2. Proteine und Fette: Guck, was du reinpackst

Mit einer guten Onpage Analyse bist du in der Lage zielgerichtet die wichtigsten Baustellen deiner Seite zu entdecken. Damit auch in Zukunft deine Seite und dein Content wie geölt laufen, solltest du im Kontext der Onpage Analyse immer auch einen Blick auf deine Keywords haben. Eine gute WDF*IDF Analyse macht es möglich. Das gelingt aber nur wenn auch wirklich nur die für dich relevanten Keywords zur Analyse benutzt werden. Wenn du mehr über gutes Keyword Monitoring erfahren möchtest, findest du hier weitere Informationen.
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3. Fettabbau: Werde unnützen Content los

Auch in Sachen Content gibt es sie, die ungeliebten Pfunde. Die wollen auch deine Nutzer nicht mehr sehen – der Traffic bleibt aus. Nimm dieses Nutzersignal an. Trenn dich von Content, der keinen Traffic mehr bringt. Es hat sich gezeigt, dass weniger indexierte Seiten (die dafür aber insgesamt relevanter sind) zu einer Verbesserung des Rankings führen können. Schau, ob du die Inhalte in Form von Republishing auf holistischen Seiten unterbringen kannst, lösche die alte Seite dann und leite sie sinnvoll weiter.
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4. Junk Food: Verzichte auf ungesunden Linkjuice

Du trinkst ja auch nicht den ganzen Tag Cola. Wirf einen Blick auf dein Link Management und überprüfe die Qualität deiner Backlinks. Was dir nicht gut tut, kannst du mit dem Disavow Tool entwerten lassen. Mit dem richtigen Tool kannst du gleichzeitig Potentiale für gesundes Linkbuilding entdecken und steuern.
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Das XOVI Disavowe Tool hilft beim Link Management

 

Fazit: Don’t Panic

Wenn also das nächste Mal ein Google Update kommt, spring nicht auf den Panikzug, wenn du in den ersten Tagen nach dem Update einen Drop in deinen Rankings siehst. Nimm dir die genannten Tipps zu Herzen und bleibe ruhig bei der Anflut an „Gewinner und Verlierer des Google Updates” Listen in den ersten Tagen nach dem Update. Nimm dir die Zeit und begutachte deine Performance mit dem richtigen Tool um zu erkennen, wann und wo es wichtig wird zu handeln.

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