20 Jahre Google, 20 Jahre Daten. Ein Kommentar.

Google wird 20
Anna Maria von Kentzinsky

Anna Maria von Kentzinsky | 04.09.2018

4. September 1998, Menlo Park/Kalifornien. Die Promovenden Larry Page und Sergey Brin melden ihre selbst entwickelte Suchmaschine als Gesellschaftsunternehmen an. Google Inc. ist geboren. Heute hat sich das einstige Garagen-Projekt in ein globales Unternehmen verwandelt, das ein wahrer Profi im Sammeln, Auswerten und Wiederverwerten von deinen, meinen, unseren Daten ist. Ich probiere im Selbsttest, wie akkurat Google seine User nachzeichnet. Finde auch du am Ende des Artikels heraus, welches Bild Google von Dir hat. Ein Kommentar.

20 Jahre Google: Wie aus einem Garagen-Projekt “Googleplex” wurde

Tatsächlich begann die Geschichte von Google noch ein paar Jahre früher. 1995, um genau zu sein. Damals trafen die zwei Gründer Page und Brin an der Stanford University in Kalifornien aufeinander und entwickelten 1996 in ihrer Garage BackRub. Der Vorläufer von Google ermittelte schon damals anhand von Links den Page Rank einzelner Webseiten.

Ziel der beiden IT-ler war es, “alle Informationen der Welt zu bündeln und sie allen Menschen zugänglich zu machen”. Das ist bis heute die Mission von Google.

Wer erinnert sich nicht an die Anekdote, dass Yahoo! 1997 der Kauf von Page und Brins Algorithmus angeboten wurde – und Yahoo! ablehnte. Denn ein eigenes Unternehmen wollten die beiden Studenten aus ihrer Idee eigentlich nicht machen.

Am 4. September 1998 taten sie es dann schließlich doch. Ein Investor stellte Larry Page und Sergey Brin nach einer Präsentation einen Check auf die Google Inc. aus, in der Annahme, dass es das Unternehmen bereits gab. Um ihn einlösen zu können, gründeten sie kurzerhand das Unternehmen.

Aus der “simplen” Suchmaschine wurde ein komplexer, KI-gesteuerter Algorithmus mit mehr als 200 Ranking-Faktoren. Was einst ein 40 GB großer, aus Legosteinen (ja, wirklich) gebauter Server erledigte, bewältigen heute 13 Rechenzentren in der ganzen Welt. In den vergangenen 20 Jahren sind die täglichen Suchanfragen von ca. 500.00 auf 5,5 Milliarden täglich gestiegen. 2017 betrug der weltweite Suchmaschinen-Marktanteil stattliche 92,1%.

Für Daten schlägt das Google Herz

In den vergangenen 20 Jahren hat Google unsere Gesellschaft verändert. Scott Galloway, amerikanische Marketing Koryphäe und Professor, sagte: Google ist Gott. Mit all unseren Fragen wenden wir uns an die Suchmaschine. “Googeln” ist unsere instinktive Handlung, wenn eine Informationslücke auftritt – und inzwischen fest in unserem Wortschatz verankert. Das Synonym für die Suche im Internet hat es sogar in den Duden geschafft. Ein Leben ohne Google Search oder Maps können wir uns schon gar nicht mehr vorstellen. Google stellt uns Informationen in Bruchteilen einer Sekunde bereit. Was wir dabei gerne vergessen: Wir tun es andersherum auch.

Im Grunde gibt es für fast jeden Aspekt unseres täglichen Lebens einen passendes Google Produkt. Aus finanzieller Sicht sind die Produkte direkt nicht besonders rentabel. Viele Apps sind beispielsweise auf Android-Smartphones vorinstalliert oder können kostenlos im App-Store heruntergeladen werden.

Dafür entlohnen wir den Konzern allerdings mit etwas viel wertvollerem: Daten. Und zwar über uns selbst. Dank Google Maps analysiert Google unsere Bewegungsmuster und weiß genau, wo wir wohnen, wo wir arbeiten, wann wir wohin in den Urlaub fahren und mit welchen Verkehrsmitteln wir uns fortbewegen. Und natürlich auch, welche Geschäfte des täglichen Lebens wir wann für wie lange besuchen. Unser Surfverhalten verrät, was uns beschäftigt und was wir kaufen. Aus unserer Interaktion mit Google Produkten lässt sich viel über uns herauslesen.

Der User als Google Persona: Ein Selbsttest

Okay, aber was genau weiß Google eigentlich über den User? Ich mache den Selbsttest.

Ich sehe mich selbst gern als “nicht-so-Smartphone-versessen” und kann auch mal ein paar Stunden ohne auskommen. Über “Smombies” mache ich mich lustig – oder ärgere mich über sie, wenn sie mir mal wieder vor das Fahrrad laufen, den Blick auf das iPhone geleimt. Da hilft selbst das in leuchtend gelber Schrift auf den Fußweg gepinselte „Blick heben“ am Kölner Neumarkt nicht.

Ich. Habe. Keine. Mobilen. Daten. Wirklich. Ich habe eine Prepaid-Karte, auf die ich alle drei Monate 15€ lade und benutze WLAN. Mein Smartphone ist nicht von der neuesten Generation, mehr als WhatsApp, Instagram, Twitter, Internet, Maps, Foodora, Car2Go und DriveNow geht eigentlich auch schon nicht mehr.

Als Content Manager habe ich das Floristen-Problem. Den Laptop meide ich zuhause, wie die Pest. Auf der Arbeit bin ich nicht mit meinem privaten Google Konto angemeldet.

Ist meine Datenflut also verhältnismäßig begrenzt?

Schauen wir nach.

Unter Google Einstellungen für Werbung kann jeder Nutzer mit einem Google Konto nachschauen, auf welchen Grundlagen Google personalisierte Werbung ausspielt. Google entwickelt dabei eine Persona mit demographischen Daten und Interessen. Die Ergebnisse basieren auf den Daten aus dem Google Konto, Daten von werbetreibenden Google-Partnern und Googles Vermutungen zu den eigenen Interessen.

Bei mir ist die Liste lang. Zu sehen ist nur ein Ausschnitt, reicht aber auch.

Google User Persona für personalisierte Anzeigen

Einiges stimmt. Mit 34 Jahren kratze ich an der oberen Grenze von Googles Alters-Einschätzung. Geschlecht, Land und Stadt stimmen auch. Ich hätte gern ein Auto und schaue regelmäßig nach Angeboten. Filme, Geschenke, Gourmet und Feinkost, Haus und Garten, Kampfsport, Kochen und Rezepte, Reisen… hier stimmt schon viel mit meinen Interessen überein. Und mit denen meines Partners, denn auch seine Interessen sind in meine Persona verwoben. Schließlich nutzen wir u.a. über den Smart TV gemeinsam YouTube.

Doch einige Dinge passen weder zu mir noch zu ihm. In der Ausbildung bin ich schon lange nicht mehr, ein M.A. reicht auch erst einmal. Mit “Casual Games” habe ich gar nichts am Hut – es sei denn, da sind ‘analoge’ Brett- und Kartenspiele sowie Pen & Paper RPG mit eingeschlossen. Eltern und Familie? Ich habe keine Kinder und das ist auch okay so. Computer und Elektronik? Hält sich in Grenzen. Prominenten- und Unterhaltungsnachrichten? Wirklich nicht. Rap und HipHop? Kann ich gelegentlich hören, andere Genres höre ich aber deutlich öfter und lieber. Haustiere? Hab ich nicht, kommt aber hoffentlich nächstes Jahr. Auseinandersetzen werde ich mich mit dem Thema erst, wenn es soweit ist. Distributed und Cloud Computing? Nicht wirklich meine Abend-Lektüre.

Das Highlight: Golf. Wie Google darauf kommt, ist mir ein Rätsel.

Diese Informationen sind für Google Gold wert. Dank Google Ads verdient der Gigant über die Bereitstellung personalisierter Werbung erhebliche Einkünfte. Die Person, die Google da um mich herum strickt, ist mir schon ähnlich – bin aber nicht ich. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, wird seit Jahren heiß diskutiert, die Meinung bleibt letztlich aber jedem selbst überlassen. Ich bekomme lieber personalisierte Werbung, als dass ich mich mit Ads berieseln lassen muss, die mich nicht im geringsten interessieren. Ich bin gespannt, wo die Reise mit Google in den nächsten 20 Jahren hingeht. Immerhin plant Google jetzt auch den Einstieg in die Außenwerbung. Dann dauert es sicherlich nicht mehr lange, bis über Gesichtserkennung oder vorbeilaufende Smartphones auch auf Plakaten personalisierte Werbung erscheint.

Du willst wissen, wie deine Google Persona aussieht? Sieh sie dir in deinen Google Einstellungen für Werbung an. Dafür musst du in deinem Google Konto eingeloggt sein und personalisierte Werbung muss aktiviert sein.

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