Google Updates 2010 bis 2018 – und dann?!

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Anna Maria von Kentzinsky

Anna Maria von Kentzinsky | 26.10.2018

Da ist er wieder. Dieser eine kleine Gedanke, der im Hinterkopf am Bewusstsein nagt. Jeden. Einzelnen. Tag. SEOs kennen ihn. Online Marketer kennen ihn. Shopbesitzer erst recht. Content Manager und Online Redakteure ebenso.

Wann kommt das nächste Google Update?

Mit dieser Frage schwingt immer die Angst mit, dass das eigene Baby abstürzt, Rankings einbrechen und Umsätze ausbleiben. Denn: Wer sitzt denn schon am Schreibtisch und denkt sich “Das nächste Google Update wird mir einen ordentlichen Boost verleihen. Wohooo!” Wohl kaum jemand. Den meisten läuft es bei dem Gedanken möglicher starker Veränderungen in den SERPs kalt den Rücken herunter, denn wenn Google ein großes Update ausrollt, rollen Köpfe. Das zeigen die vergangenen Google Updates in unterschiedlichem Maße:

06/2010 Caffeine Update
02/2011 Panda Update
11/2011 Freshness Update
01/2012 Top Heavy Update
04/2012 Penguin Update
08/2012 Pirate Update
06/2013 Payday Update
09/2013 Hummingbird Update
07/2014 Pigeon Update
06/2015 Phantom Update
10/2017 RankBrain
03/2018 Mobile First Update
08/2018 (Phantom) Medic Update
XX/20XX Voice Search Update?!

Timeline Google Updates 2010 bis 2018

Image Caffeine Update

Caffeine Update: SERPS auf Zack

Such-Algorithmus Updates für schnelleres Crawling & Indexing dank neuem Indexing System

Im Juni 2010 führte Google unter dem Begriff “Caffeine Update” ein neues Indexing System ein. Caffeine ermöglicht eine deutlich schnellere Indexierung neuer Inhalte, damit stehen dem User deutlich aktuellere Inhalte (binnen weniger Minuten) zur Verfügung. Laut dem Google Official Blog kann Caffeine im Vergleich zum alten System “bietet zu 50% frischere Ergebnisse für Web Searches”.

Die drastisch steigende Nutzung des Webs und der Suchmaschine sowie die damals schon explodierende Menge an Content und verschiedenen Content-Formaten bewegte Google, den alten Index zu überdenken. Auch hatten sich nach den ersten Jahren des Webs die Erwartungen an die Suchergebnisse verändert.

Visualisierung Suchalgorithmus mit Caffeine

Bildquelle: Google Blog

Der alte Google Index kategorisierte das Web in “Schichten”, die in unterschiedlichen Abständen gecrawlt wurden. Die oberste Schicht wurde alle paar Wochen aktualisiert – in 2018 unvorstellbar. Fiel neu erstellter Content in eine der unteren Schichten, konnte es noch deutlich länger dauern, bis sich mal wieder ein Crawler blicken ließ – denn hier musste Google direkt das ganze Web neu indexieren.

Eben diese erhebliche Verzögerung wurde mit Caffeine aufgehoben. Die “Schichten” werden jetzt nicht mehr nacheinander, sondern in kleinen Happen simultan analysiert. Eine echte Revolution für alle, die Content produzieren.

Image Panda Update

Panda Update: Dünne Luft mit dünnem Content

Ranking Algorithmus Update zur Bekämpfung von Low Quality Content

Ein wahre Lawine an frischen Domain-Leichen gab es nach dem Panda Update im Februar 2011, mit dem der Suchmaschinen-Gigant die unerwünschten Nebenwirkungen des Freshness Updates ausmerzen wollte. Die Folge war eine Überschwemmung des Webs von dem, was wir heute als “Thin Content” bezeichnen: Seiten von “Content Farmen”, die tagtäglich etliche URLs mit wenig (und noch weniger sinnvollem) Content produzierten, um dank der ”frischen” Inhalte an schnelle Rankings zu gelangen.

Panda brachte wieder Ruhe in die Gemüter der User, die über die mangelhaften Suchergebnisse gar nicht glücklich waren. Der eigenen Mission entsprechend wurden diese Low-Quality Seiten entwertet, denn nur ein zufriedener User ist auch in der Zukunft ein Google User.

Stattdessen wurden die Seiten mit guten Ranking belohnt, die qualitativ hochwertigen Content (originell und informativ) lieferten – eine Prämisse, die bis heute Gültigkeit hat. Im Mai 2011 stellte Google auf dem Webmaster Zentrale Blog Tipps zur Erstellung qualitativ hochwertiger Websites zur Verfügung, um Webmastern eine Hilfestellung zu geben. Dazu gehörten Fragen wie:

  • Würdet ihr den in diesem Artikel enthaltenen Informationen trauen?
  • Wurde der Artikel von einem Experten oder einem sachkundigen Laien verfasst oder ist er eher oberflächlich?
  • Weist die Website doppelte, sich überschneidende oder redundante Artikel zu denselben oder ähnlichen Themen auf, deren Keywords leicht variieren?
  • Würdet ihr dieser Website eure Kreditkarteninformationen anvertrauen?
  • Enthält dieser Artikel Rechtschreibfehler, stilistische oder Sachfehler?
  • Entsprechen die Themen echten Interessen der Leser der Website oder werden auf der Website Inhalte generiert, mit denen ein gutes Ranking in Suchmaschinen erzielt werden soll?
  • Enthält der Artikel Originalinhalte oder -informationen, eigene Berichte, eigene Forschungsergebnisse oder eigene Analysen?
  • Hat die Seite im Vergleich zu anderen Seiten in den Suchergebnissen einen wesentlichen Wert?

Das Leitdokument für die Bewertung hochwertiger Inhalte sind die Google Quality Rater Guidelines, die von der Suchmaschine aktuell gehalten werden.

Freshness Update: News First

Ranking Algorithmus Update zur Bevorzugung frischen Contents

Das Freshness Update folgt der Annahme von Google, dass der Nutzer bei bestimmten Queries nach aktuellen Entwicklungen und nicht nach allgemeinen Informationen zu einem Thema sucht.

Screenshot der SERPs zum Keywort "Köln"

Das Freshness Update bevorzugt bei einigen Themengebieten also frische Inhalte, da in ihrem jungen Alter eine höhere Relevanz vermutet wird. Laut Aussage von Google sind das rund 35% der Suchanfragen, die mindestens ein vom Update beflügeltes Ergebnis enthielten. Größere Fluktuationen in den SERPS wurden bei 6 bis 10% beobachtet.

Im Rahmen des Freshness Updates unterteilt Google relevante Inhalte in drei Kategorien:

  1. Aktuelle Geschehnisse wie anstehende/kürzliche Events, Nachrichten oder in der Gesellschaft diskutierte Themen
  2. Regelmäßige Ereignisse wie Weltmeisterschaften oder Konferenzen
  3. Schnelllebige Themen wie Mobile Endgeräte (Handy, Tablet) oder Star News

Image Top Heavy Update Google

Top Heavy Update: Anzeigen in die Schranken weisen

Ranking Algorithmus Update zur Reduktion von Anzeigen Above the Fold

Ist es nicht schön, wenn eine URL auf Seite 1 der SERPs landet? Perfekt, da klatscht man dann 2347654 Anzeigen rein, damit sich das Ranking auch ordentlich bezahlt macht.

Das war die Devise bis – ja bis Google im Januar 2012 mit dem Top Heavy Update um die Ecke kam. Seiten, die Above the Fold mit Anzeigen geschmückt waren wie ein überladener Weihnachtsbaum, wurden entwertet.

Der Grund: Die User Experience litt stark unter der Anzeigenflut. Der eigentliche Content ließ sich zwischen den Ad-Boxen kaum noch ausmachen. Auf dem Google Blog wird berichtet:

Uns kamen Beschwerden von Usern zu Ohren, die auf ein Suchergebnis klickten und den tatsächlichen Inhalt nur schwer identifizieren konnten – sie waren mit dem Surferlebnis nicht zufrieden.

Den High Quality Anspruch erfüllten diese Seiten nicht. Gegen Anzeigen per Se hat Google nichts (schließlich verdient GoogleAds ordentlich mit). Das Update hatte lediglich Seiten im Fokus, die unverhältnismäßig viele Anzeigen Above the Fold aufwiesen oder wo der Content aufgrund der Anzahl, Größe und Platzierung der Anzeigen erst Below the Fold zu finden war.

Seiten, die nach einem Top Heavy Update an Rankings verloren hatten, konnten sich ihren Platz zurückerobern, wenn sie die Anzeigen deutlich reduzierten und der Content wieder im Mittelpunkt stand.

Image Google Penguin Update

Penguin Update: Erstickt am Linkspam

Ranking Algorithmus Update zur Bekämpfung von Low Quality Links und unnatürlichem Linkbuilding

Eine Seite mit guten Inhalten wird automatisch von anderen verlinkt. Auf dieser simplen Idee basiert einer der wichtigsten Ranking Faktoren: (natürliche) Backlinks. Über die Zeit hatten viele Webmaster und SEOs begonnen, regen Linktausch zu betreiben (unnatürliche Backlinks) und so ihre Rankings zu manipulieren. In vielen Fällen allerdings sehr zu Lasten der Qualität. Denn oftmals boten die Linkziele dem User keinen nennbaren Mehrwert. Google’s Kampfansage gegen Low Quality startete zwar mit Panda, ging allerdings mit Penguin ab April 2012 in die zweite Runde.

  • Was spricht für ein unnatürliches Linkbuilding und damit gegen die Richtlinien?
  • Links mit einem sehr harten Anchortext (z.B. „Urlaub“)
  • Links aus dem Footer (Side-wide und im nicht sichtbaren Bereich)
  • Backlinks, die unnatürlich zustande gekommen sind (z.B. kommerziell)
  • Unnatürlich schnelle Backlinkentwicklung (Zeitraum)
  • Links aus Linklisten, Artikelverzeichnissen und Webkatalogen
  • Links von thematisch irrelevanten Websites (Unnatürlichkeit)

Wer weiterhin eine spammige Linkstrategie fuhr, büßte deutlich an Rankings und Sichtbarkeit ein. Im Laufe der Zeit hat Penguin zahlreiche Updates erfahren und die Regeln für Backlinks weiter angepasst. Im September 2016 kündigte Google an, dass der Penguin-Algorithmus dauerhaft in den Kern-Algorithmus integriert wird. Penguin läuft jetzt in Echtzeit mit. Anstatt Seiten wegen unnatürlicher Backlinks abzustrafen, werden diese jetzt automatisch entwertet. Unnatürlicher linkaufbau – Lohnt sich nicht mehr.

Image Google Pirate Update

Pirate Update: Das war nicht deine Idee.

Ranking Algorithmus Update gegen Urheberrechtsverletzung

Das Flehen von Warner, Sony, Disney hat endlich ein Ende. Denn nach dem es in der Vergangenheit unfassbar einfach war, Raubkopien von beliebten Filmen und Musik Alben direkt über Google zu finden, machte das Pirate Update damit Schluss.

Zum einen wurden Seiten in den Rankings abgestraft, die viele Urheberrechtsverletzungen begangen. Zum anderen hat Google eine klare Ansage gegenüber Torrent-Seiten und illegalen Streaming Services angesagt: Ihr seid bei uns nicht willkommen. Doch obwohl es bereits 2 Pirate Updates gab, sind raubkopierte Inhalte leider immer noch über Google aufzufinden. Der Kampf gegen Piraten ist also noch lange nicht beendet und Google sendet weiterhin das Zeichen, dass die Tage des Wilden Westens des Internets bald vollständig vorbei sind.

Image Google Payday Update

Payday Update: Sex sells – Kein Spam in 18+ SERPs

Ranking Algorithmus Update für leere Versprechen

Das Payday Update stellt eine Anomalie dar. Denn das klassische Google Update, das zum Beispiel Seiten mit gekauften Links in den Rankings abstraft, ist das Payday oder auch Payday Loan Update nicht.

Vielmehr handelt es sich bei diesem Update vom Juni 2013 um Googles Antwort auf spammige Inhalte, die durch illegale Black Hat SEO Taktiken viele Clicks erhalten wollen, weil sie zum Beispiel mit großen “Paydays” werben. Das Update betrifft also nicht einzelne Seiten, sondern ganze Märkte, die sich durch hohes Spamaufkommen auszeichnen.

Payday betrifft u.a.:

  • Kredit
  • Pornographie
  • Glücksspiel
  • Drogen
  • verschreibungspflichtige Pharmazeutika

Das Payday Update ist also eher eine Aufräumaktion von Google, um die Qualität der Links auf den SERPs mit besonders hart umkämpften Keywords zu sichern. Also während die meisten Google Updates Zeichen setzen, dass man als Seitenbetreiber eher bei sich für klarschiff sorgen sollte, ist das Payday Update ein Signal von Google, dass sie selbst den Besen für saubere SERPs in die Hand nehmen.

Image Google Hummingbird Update

Hummingbird Update: Weiß, was du willst.

Such-Algorithmus Update zur Suchintention

Ähnlich wie Caffeine revolutionierte der Hummingbird (dt. Kolibri) bei seinem Release im August 2013 die Suchmaschine (Die Ankündigung von Google kam tatsächlich erst einen Monat später). Während Pinguin und Panda drastische und direkte Wirkung auf die Webseiten vieler hatte, machte sich das Hummingbird Update 2013 vor allem durch das Fine-Tuning unter der Haube des Google Algorithmus bemerkbar. Denn auch hier handelt es sich um eine Neuerung des Google Such-Algorithmus.

Das ganz klare Ziel: Suchanfragen besser verstehen. Warum sucht ein Nutzer nach einem bestimmten Keyword, welche Suchintention steckt dahinter? Was für Suchergebnisse werden erwartet?

Was hat sich verändert?

Mit dem Update wurde das Sprachverständnis des Algorithmuses auf eine semantische Basis geführt. Google setzt dabei auf Natural Language Processing (dt.: Maschinelle Verarbeitung natürlicher Sprache, verknüpft Erkenntnisse der Linguistik mit Methoden der Computerwissenschaft), um die menschliche Sprache – geschrieben wie gesprochen – besser verstehen zu können. Das wirkt sich natürlich auf die Ergebnisse in den SERPs aus, ist aber auch die Grundlage für Voice Search und Smart Assistants.

Doch zuerst zu den SERPs: Bis dato wurden Suchergebnisse zu einzelnen Wörtern des Keywords ausgegeben.

Zum Beispiel: Steuer.

Das Wort “Steuer” hat in der deutschen Sprache zwei Bedeutungen: Es ist ein Lenkwerkezeug, steht aber auch für Finanzabgaben. Nur über den Kontext kann der Gesprächspartner die aktuelle Bedeutung zuweisen. Doch was macht eine Suchmaschine?
Sie bedient sich – dank dem Hummingbird Update – ebenfalls der Kommunikation, die bereits stattgefunden hat – dem Suchverlauf und dokumentierten Surfverhalten. Auch die Klicks auf die einzelnen Suchergebnisse zu einem Keyword werden ausgewertet. Die Ergebnisse werden verwendet, um die wahrscheinlichste Suchintention zu identifizieren.

Vor dem Hummingbird Update hätte Google wahrscheinlich beide Varianten in den SERPs abgebildet. Das hat sich geändert: Google ist sich ziemlich sicher, dass bei dem Suchbegriff “Steuer” eher nach der Steuer und nicht nach dem Steuer gesucht wird, und schlägt neben einer Definition (Wikipedia) auch direkt Steuerberater in der Nähe vor.

Screenshot Google SERPs zum Keyword Steuer

Das Hummingbird Update betrifft zudem den Knowledge Graphen. Knowledge Graph nennt sich die kombinierte Anzeige von Suchergebnissen aus unterschiedlichen Datenbanken. Wird zum Beispiel der Name einer berühmten Person oder einer Stadt in die Google-Suche eingegeben, zeigt Google bereits auf der Ergebnisseite die Eckdaten zu der Person bzw. zur Stadt an. Der Nutzer muss somit gar nicht mehr unbedingt auf ein Suchergebnis klicken, um zu bestimmten Informationen zu gelangen. Seit dem Hummingbird Update werden auch Vergleiche im Knowledge Graphen dargestellt, indem die Eckdaten zu unterschiedlichen Begriffen gegenübergestellt werden.

Das Hummingbird Update wirkte sich zum Beispiel auf die via Android verfügbare Sprachsuche aus: So kann der Nutzer via Sprachsuche wie gehabt eine Google-Suche starten. Bei der darauffolgenden Abfrage stellt Google eine Beziehung zwischen den Suchanfragen her, sofern diese logisch erscheint. So kann der Nutzer zum Beispiel erfragen, wo sich das nächste Schwimmbad befindet. Fragt er anschließend wann „es“ geöffnet ist, erkennt Google, dass bei der Frage ebenfalls das Schwimmbad gemeint ist

Auf diese Weise konnte der Kontext Suchanfragen und damit die Bedürfnisse der Suchenden einordnen, analysieren, nachvollziehen und am Ende erfüllen zu können. Vor allem im das gerade im Trend liegende Thema Voice Search ist ohne Hummingbird Update von Google undenkbar.

Image Google Pigeon Update

Pigeon Update: Vogelperspektive und Punktlandung

Ranking Algorithmus Update zur Lokalen Suche

Im Juli 2014 startete das Pigeon Update erstmals seinen Landeanflug. Kleine lokale Unternehmen, die für Online Marketing und SEO einfach nicht die Kapazitäten haben und in der (inter)nationalen Liga nie hätten mitspielen können, bekamen bei diesem Update zum Local SEO eine echte Chance. Sie werden in lokalen Suchanfragen bevorzugt positioniert. Auch Bewertungsseiten wie YELP

Pigeon hat Auswirkungen auf

  • SERPs
  • Google Maps Packs

Hintergrund: Bestimmte Queries lassen die User Intention vermuten, dass der Suchende einen physischen Ort abfragt, wo er die eingegebene Dienstleistung oder das Produkt erwerben kann. Dazu zählen beispielsweise

  • Freizeitaktivitäten (Restaurant-Suche)
  • Dinge des täglichen Lebens (Supermärkte, Frisör)
  • Dienstleister (Anwälte, Handwerker)

Voraussetzung dafür ist ein vollständig ausgefülltes Google My Business Profil. Erst dann kann der Algorithmus die Stadt bzw. den Stadtteil korrekt ausgeben.

Allerdings legte Pigeon nicht immer die gewünschte Punktlandung hin. Das Local SEO Update sollte ja kleinen, lokalen Unternehmen entgegenkommen. Es gab aber Fälle – besonders in den USA – wo genau das Gegenteil der Fall war und kleine Unternehmen starke Ranking-Verluste hinnehmen mussten. SEO-Südwest berichtete im Oktober 2014 über die Ergebnisse einer Studie zum Pigeon Update, die die Veränderung in den SERPs sowie die möglichen Rankingfaktoren untersuchte. Im Kern kam sie zu folgenden Ergebnissen:

  • Keine besseren Suchergebnisse
  • Starke Domains und Marken profitieren
  • Entfernung vom Stadtzentrum relevant

Fun Fact: Den Namen “Pigeon” erhielt das Update von SearchEngineLand und nicht von Google selbst. Die Idee dahinter: “ Pigeon [Taube] ist der Name, für den wir uns entschieden haben, weil dies ein lokales Such-Update ist und Tauben dazu neigen, nach Hause zu fliegen”.

Image Phantom Update

Phantom Update: Gesichts- und namenlos

Allgemeine Core-Algorithmus Updates

“Das eine” Phantom Update von Google gibt es nicht. Die Bezeichnung kommt lediglich von der Ungewissheit direkt in der Zeit nach dem Update, da zunächst unklar ist welche Seiten von dem Algorithmus Update betroffen sind. Ein Phantom Update trifft meistens nicht einen konkreten Bereich einer Website (Content, Links) oder spezielle Suchergebnisse (Local, Freshness) sondern sind meist aufgrund der breitgefächerten Radiuses an betroffenen schwer zu greifen und zu definieren.

Wenn man also “Phantom Update” googelt, wird man entsprechend vielfältige Suchergebnisse erhalten. Selbst im XOVI Blog haben wir bereits in den Jahren 2015, 2016 und 2017 von einem Phantom Update berichtet. Es ist vor allem die einstweilige Unzuordbarkeit, die bei diesen Updates für Panik sorgen kann. Davor haben wir erst vor kurzem in unserem Blog gewarnt.

Was allerdings die Updates im Jahr 2015 und 2016 gemeinsam haben ist, dass das Phantom Update Auswirkungen auf große Brand Seiten und E-Commerce Seiten mit vielen Kategorien hatten. Dazu zählte beispielsweise OTTO. Außerdem war die Lektion aus allen 3 Phantom Updates: Erstellt guten Content, der die Suchintention am besten befriedigt.

Image Google RankBrain

RankBrain: Der Algo und das Brain, Brain…

Such-Algorithmus Update: Integration künstlicher Intelligenz

Mit dem RankBrain Update, das bereits 2015 erste Lebenszeichen von sich gab, schaffte Google eine Algorithmusarchitektur, die nicht mehr komplett manuelle Kalibrierung angewiesen ist, sondern im Gegensatz mit Hilfe von Machine Learning sich selbst stetig verbessern kann.

Warum braucht den Google mit seiner unfassbaren Teamgröße eine künstliche Intelligenz um seinen Algorithmus zu bearbeiten? Denn gerade durch die händischen Updates ist Google noch viel besser in der Lage Änderungen nachzuvollziehen und gegebenenfalls rückgängig zu machen. Die Antwort liegt in dem Bereich, den Google noch nicht versteht. Dieser Bereich dreht sich um alle Suchanfragen dessen Suchintention Google nicht schnell genug verstehen und bedienen kann. Mit dem Hummingbird Update konnte Google schon viel zur semantischen Klarheit von Suchanfragen in der Analyse besteuern, aber mit RankBrain ist ein System entstanden, dass kontinuierlich mit jeder Suchanfrage mehr über die Suchintention und damit das Gesuchte lernt. Außerdem ist Google mit dem RankBrain Update in der Lage selbständig den Algorithmus zu optimieren.
Die Art wie RankBrain optimiert ist denkbar einfach.

  • Ein User schreibt ein Keyword in das Suchfeld bei Google
  • RankBrain übersetzt das Keyword in Konzepte (Konzepte stellen den komplexen semantischen und gelernten Kontext des Keywords dar)
  • Dann gibt Google Resultate für das Konzept aus
  • Basierend auf der Absprungrate und Zurückspringen zur SERP bewertet Google ob eine Seite den User zufrieden gestellt hat
  • Wenn Nicht: Dann werden neue andere Seiten vorgeschlagen und das Konzept des Keywords wird angepasst
  • Wenn Ja: Dann wird gewinnt die Seite an Ranking und das Konzept des Keywords wird angepasst

Das Verständnis der Suchintention ist allerdings nicht das einzige das RankBrain beeinflusst hat. Denn auch alle altbekannten Rankingfaktoren wie Backlinks, Inhaltsfrische, Inhaltslänge, Domainautorität werden damit in Relation zur Erfüllung der Suchintention gesetzt. Dadurch verlieren sie an ihrem vorher noch unbestrittenen Rankingeinfluss. Denn da wo es vorher noch hieß, dass alle Texte nicht mehr kurz sein dürfen sondern einen Mehrwert liefern müssen, steht jetzt vor dem Mehrwert die Erfüllung der Suchintention an erster Stelle der Rankingfaktoren. Das bedeutet wenn RankBrain versteht, dass ein kurzer knackiger Text besser die Antwort des Suchenden wiedergibt als ein ausführlicher und detaillierter Artikel, den keiner zu Ende liest, dann wird der kürzere Artikel mit einem besseren Ranking belohnt.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der durch das RankBrain Update möglich wurde, ist die gesteigerte Effizienz des Auslesens von Seiten. Dies hat zur Folge, dass die, vor allem auf dem Handy beliebten, Feature Snippets von Google gar nicht erst möglich wären ohne RankBrain. Nur durch das Verständnis der Seite kann RankBrain erkennen, wie es zum Beispiel das Schokokuchen Rezept in Form einer Tabelle oder einer Auflistung in einem Feature Snippet ausgeben kann. Gerade im Kontext der steigenden Bedeutung von Voice Search ist dies unfassbar wichtig geworden. Denn nachdem bekannt wurde, dass knapp 80% der Voice Search Ergebnisse auf der Auslese von Feature Snippets beruht, begann der Kampf um die sogenannte Position 0.

Mit dem RankBrain Update kamen dadurch also zwei wichtige Neuerungen und Verbesserungen zum Google Algorithmus hinzu. Zum einen der ganz klare Fokus auf die Befriedigung der Suchintention und zum anderen der kritische Blick auf die “Auslesbarkeit” von Seiten durch technische und strukturelle Optimierung für den Google Bot.

Image Google Mobile First Update

Mobile First Update: Websites to go

Ranking Algorithmus Update zur Ermittlung von Ranking über Mobile Version einer URL

Im März 2018 begann Google mit dem Rollout des Mobile First Update, der bereits im November 2016 angekündigt wurde. Das Rollout hält teilweise bis heute an, gerade in den letzten zwei bis drei Monaten erhielten zahlreiche deutsche Webmaster die Benachrichtigung, dass von nun an die mobile Version Ihrer Domain als Grundlage für das Ranking herangezogen werden. Im Rahmen der Einführung des Updates werden zunächst nur Seiten umgestellt, die die Best Practices Richtlichen für Mobile First befolgen. Das sind im Wesentlichen:

  • Die mobile Website hat dieselben Inhalte wie die Desktop Version. Die mobile Variante sollte der Desktop-Version in nichts nachstehen. Ist sie reduzierter, sollten die fehlenden Inhalte ergänzt werden. Dazu zählen Text, Bilder (mit ALT-Attributen) und Videos in den üblichen crawlbaren und indexierbaren Formaten.
  • Strukturierte Daten für Desktop und Mobile. Wenn du strukturierte Daten verwendest, sollten sie für die mobile Version auch mobile URLs beinhalten. Wenn strukturierte Daten mithilfe von Data Highlighter verwendet werden, sollte das Data Highlighter-Dashboard regelmäßig auf Extraktionsfehler überprüft werden.
  • Metadaten für Desktop und Mobile identisch. Die Metadaten (Titel und Description) sollten für beide Versionen deiner Website gleich sein.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Seiten ohne eine Mobile Version jetzt aus dem Index fliegen! Auch werden die Rankings durch die Umstellung nicht beeinflusst. So schreibt der Google Webmaster Central Blog zum Rollout:

Websites, die sich nicht in dieser ersten Welle befinden, müssen nicht in Panik geraten. Bei der mobilen Erstindizierung geht es darum, wie wir Inhalte sammeln, nicht darum, wie Inhalte bewertet werden. Inhalte, die durch die mobile-first-Indizierung gesammelt werden, haben keinen Ranking-Vorteil gegenüber mobilen Inhalten, die noch nicht auf diese Weise erfasst wurden, oder Desktop-Inhalten. Wenn Sie zudem nur Desktop-Inhalte haben, sind Sie weiterhin in unserem Index vertreten.

Allerdings wird auch klar formuliert, dass Page Speed und Mobile-Friendly Inhalte “hilfreich” sind, wenn es um Rankings in den Mobilen SERPs geht.

Herausforderungen mit Mobile First:

Die Umstellung führt zu deutlich höherem Wettbewerb in den Mobilen SERPs, sodass organische Suchergebnisse auf dem Smartphone mitunter erst im achten Screen zu finden sind.

Das könnte möglicherweise zu Traffic-Einbußen führen. Da wir allerdings erst am Anfang von Mobilen SERPs stehen, wird auch hier noch eine Evolution stattfinden.

Image Mediac Update

Medic Update: Tatütata für YMYL-Seiten!?

Wahrscheinlich ein Phantom Update im Bereich Trust

01. August 2018. Die Rankings brechen ein. Seiten aus der Gesundheits- und Finanzbranche beklagen teilweise deutliche Verluste in der Sichtbarkeit. Die Panik beginnt und die Analysten werden nach Antworten angefleht. Bei dem von SEOs selbstbetitelten Medic Update handelt es sich nicht um ein “großes” Google Update á la Panda oder Penguin. Schließlich zielte das Update nicht auf bestimmte Inhalte einer Seite ab (Content / Links etc.) Wahrscheinlicher ist, dass es sich um ein weiteres Phantom Update handelt. Google selbst bezeichnete das Update als ein “Broad Core Update”.

Diese werden oftmals nicht weiter angekündigt, erhalten keinen offiziellen Namen und betreffen eher allgemeine Faktoren, wie Qualität, Autorität oder Trust. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Google an einer dieser Schrauben gedreht hat und dessen Auswirkungen gerade in einer vertrauens- und datensensiblen Branche wie Gesundheit und Finanzen die größten Auswirkungen hatte – positiv wie negativ. Das bedeutet aber nicht, dass das “Medic Update” auf den sogenannten YMYL-Sektor (Your Money Your Life) abzielte.

Das sogenannte Medic Update steht neben den kontinuierlichen Bemühungen seitens Google auch für die Achtsam- und Aufmerksamkeit der SEOs. Auffallend am Medic Update ist die heftige Reaktion, die es in der Online Marketing Welt auslöste. Beiträge wie “Was kann ich machen wenn ich betroffen bin” oder “Was Sie jetzt wissen müssen” schossen innerhalb weniger Tage wie Pilze aus dem Boden und befeuerten das Gefühl, um jeden Preis sofort handeln zu müssen. Dabei zeigt die Erfahrung: Ruhe bewahren und die Entwicklung in den Wochen nach dem Update genauer beobachten, denn oft pendeln sich die SERPs wieder ein. Gute SEOs, Webmaster und Online Marketer wissen auch, dass man nicht den Algorithmus der Suchmaschine in den Mittelpunkt seiner Inhalte stellen soll, sondern den Nutzer mit seinen Anforderungen, Wünschen und Bedürfnissen. Das sieht Google übrigens genauso.

Welche Google Updates könnten bald kommen?

Gerade die Google Medic Panik hat die Angst vor Google Updates noch ein Stück tiefer in die Köpfe von Webmastern, SEOs und Online Marketern brennen lassen. Wenn dem so ist, sollte man sich nicht von ihr dominieren lassen, sondern sie sich proaktiv zunutze machen. Mit der Überlegung, wie man den Nutzer am besten von sich überzeugt und ihm die Conversion so einfach, bequem und einzigartig wie möglich macht, kommt man schon sehr weit. Denn dann werden technische Voraussetzungen, verwendete Devices, Nutzer- und Suchintention, User Experience und die Ausrichtung wie gestaltung der Inhalte berücksichtigt.

Next Stop: Voice Search Update

Ranking Algorithmus Update zur displaylosen Suche

Gerade in Sachen Device-Vielfalt werden noch einige Google Updates auf uns warten. Klar, das erste Mobile First Update ist bereits da und die Umstellung ist im vollen Gange. Das ist auch gut so, denn immer mehr Menschen nutzen ihre Smartphones häufiger und umfassender – gerade online und über Apps.

Doch ein neuer Player ist vor wenigen Jahren mit einem Knall auf dem Markt erschienen und verzeichnet eine höhere Marktdurchdringung, als seinerzeit das Smartphone. Die Rede ist von digitalen Sprachassistenten, auch Smart Speaker genannt. 2014 brachte Amazon Echo bzw. Alexa auf den Markt, 2016 folgte Google mit Google Home. Der Clou ist eine integierte künstliche Intelligenz (KI), die neben Sprachbefehlen auch Suchanfragen verstehen und sprachbasiert wiedergeben kann. Die Marktdurchdringung ist enorm. Noch dieses Jahr soll es weltweit 100 Millionen Nutzer geben. Prognosen von Statista legen nahe, dass sich die Zahl bis 2021 noch einmal fast verdoppelt.

Balkendiagramm zur Nutzung digitaler Assistenten 2015 bis 2021

Quelle: Statista

Diese Smart Speaker, bzw. KIs, werden zunehmend in andere Haushaltsgeräte integriert und in Autos verbaut, befinden sich aber auch schon seit längerem in Smartphones. Die Verwendung der Smart Speaker und damit displaylosen Suchanfragen wird zunehmen. Gerade im Bereich Shopping (Voice Commerce) ist ein starker Zuwachs wahrscheinlich.

Dieser Voice Search genannte Vorgang liefert in der Regel nur ein Suchergebnis. Das bedeutet: Bei Suchanfragen ohne Display gibt es häufig nur eine Antwort. Eine echte Herausforderung für Marketer. Doch was kann man tun, um die eigene Website für Voice Search bereit zu machen? Online Marketing Koryphäe Björn Tantau hat 4 nützliche Tipps für erfolgreiche Voice Search Optimierung.

Der Voice-Markt wird noch deutlich an Relevanz zulegen. Darauf müssen sich Webmaster vorbereiten. Dazu gehören die Schaffung technischer Grundlagen für Voice Search über strukturierte Daten und die Bereitstellung von vorlesbaren Inhalten. Voice Search hat das Potential, nach Mobile “the next big thing” zu werden – darauf wird auch Google reagieren und in den nächsten Jahren ein Voice Search Update ausrollen. Ob wir dann bald vom “Parrot” Update hören?