Canonical Tag verstehen und richtig einsetzen

canonical tag
Sascha Lienesch

Sascha Lienesch | 23.04.2019

Seit dem 13. Februar 2009 gibt es sie – die kanonische URL. Er wird auch Canonical Link oder Canonical Tag genannt. Es handelt sich hier um eine Methode, um Duplicate Content zu vermeiden. Er wird in den Head-Bereich einer HTML-Seite als rel Attribut eingefügt und ist für den User nicht sichtbar, sondern ist nur für Suchmaschinen gedacht.

Duplicate Content entsteht, wenn gleicher oder sehr ähnlicher Inhalt auf zwei oder mehreren URLs erreichbar ist. Oft ist das in Online-Shops so, wenn es von einem Produkt mehrere Varianten z. B. in verschiedenen Größen oder Farben gibt. Die Produktbeschreibung ist dann immer gleich bis auf die Angabe der unterscheidenden Merkmale wie eben die Farbe oder die Größe.

Duplicate Content entsteht auch, wenn z. B. aufgrund eines Filters oder der internen Suche Parameter mit an die URL angehangen werden. Dann ist die Seite unter der eigentlichen URL erreichbar und zusätzlich über eine weitere mit Session-IDs oder Parametern. Auch das ist nicht optimal.

Canonical Links

Doppelte Inhalte sind für Suchmaschinen nicht gut, weil sie nicht einschätzen können welcher Text zu einer Suchanfrage relevanter ist und entsprechend bevorzugt in den Suchergebnissen angezeigt werden soll. Ein konstantes Ranking ist dann schwer zu erreichen, weil Google immer mal wieder andere URLs oben in den Suchergebnissen anzeigt. Das Problem lässt sich mittels des Canonical Tags beheben

Matt Cutts, ehemaliger Mitarbeiter von Google, hat bei der Veröffentlichung dieser Funktion ein ausführliches Erklärungsvideo veröffentlicht, indem er auf dieses wichtige rel Attribut eingeht. Es hat auch heute noch Gültigkeit:

Wie sieht ein Canonical Tag aus?

Es handelt sich im Prinzip nur um eine Zeile, die in den Head-Bereich eingefügt werden muss:

So würde beispielsweise die Seite
http://www.domain.de/produkte?session_id=xyz
folgenden Canonical Tag erhalten:
<link rel=“canonical“ href=“http://www.domain.de/produkte“ />

Mit der verlinkten URL erklärt man der Suchmaschine, dass die Produktseite die „Originale“ URL ist und die URL mit der Session-ID eine Kopie. Zwar ist der Canonical Taag keine verbindliche Anweisung für Google & Co, aber in der Regel beachten die Suchmaschinen diesen Hinweis. Die URL mit Session-ID wird also nicht mehr beachtet, sondern der Linkjuice an die per canonical verlinkte URL weitergeleitet.

Unterschied zur 301-Weiterleitung

Der Unterschied zwischen Canonical Tag und einer 301-Weiterleitung besteht darin, dass hier nicht weitergeleitet wird, sondern der Suchmaschine „nur“ ein Hinweis im HTML Quellcode auf die Original-Quelle des Contents gegeben wird. Eine 301-Weiterleitung würde sich auch für den Besucher der Website auswirken, denn er würde ja genauso wie der Googlebot weitergeleitet. Das ist bei Shops aber z. B. gar nicht erwünscht, denn dort haben die durch Farb- oder Größenfilter entstandenen URLs ja durchaus Sinn, wenn jemand Damen Sneaker in Rot sucht und hierfür den Filter aktiviert.

Das Gute an Canonical Tag ist:

  • Es sind keine Programmierkenntnisse erforderlich
  • Man kann sie individuell für jede Seite setzen
  • Der Trust von Google wird auf eine bestimmte URL vererbt und wird nicht auf viele URLs aufgeteilt
  • Den Canonical Link erkennen Google, Bing und Yahoo an

Jede URL sollte einen Canonical Link haben

Es wird aus präventiven Gründen dazu geraten jede URL mit einem Canonical Tag auszustatten. Sollte es gar keine Kopie geben, dann verlinkt man jede URL auf sich selbst. Dies ist ein „kleiner“ Schutz vor Scrapern, die Ihre Website mit Crawlern kopieren und auf anderen Domains veröffentlichen. Dann hätten Sie einen Fall von externem Duplicate Content. Durch den Canonical Tag wird dann jedoch das Original – nämlich Ihr Inhalt – als das Original angegeben. Schlaue Content-Diebe wissen darum, aber es gibt da draußen auch noch sehr viele, die sich die Mühe nicht machen. Dieser Tipp bezieht sich natürlich nur auf die wirklichen Original-Seiten. Auf Seiten mit Parametern etc. sollte natürlich nicht auf sich selbst verlinkt werden, sondern eben auf das Original. Sonst verpufft der Effekt ja.

Folgende Punkte sollte man beim Einsatz von Canonical Tags beachten:

  • die im Canonical Link verlinkte Website sollte erreichbar sein. Ein 404-Fehler verwirrt den Googlebot
  • bei Einsatz von Canonical Links sollte kein „noindex“, „disallow“ oder „nofollow“ verwendet werden. Insbesondere bei Sperren durch die robots.txt kommt Google ja gar nicht zum HTML Quelltext um den Canonical Link zu lesen und zu befolgen
  • Der Canonical Tag gehört nicht in den Body-Bereich und soll auch nur 1x verwendet werden. Bei Mehrfachverwendung ignoriert Google die Canonicals und tut so, als gäbe es gar keinen
  • Oft sind mobile Versionen einer URL unter einer anderen URL erreichbar – z. B. m.domain.de Auch hier sollte per Canonical URL
    Zwar ist es möglich sowohl relative als auch absolute Pfade im Canonical Link anzugeben, aber es wird ausdrücklich empfohlen nur absolute Pfade zu verwenden.
  • Verwenden Sie die Struktur: https://www.domain.de/anzuege/grau/graueanzuege.html
    und nicht die Struktur: /anzuege/grau/graueanzuege.html
  • Paginierte Seiten sollten keinen Canonical Link erhalten, denn sie sind ja in der Regel nicht identisch. Hier ist der Einsatz von rel=“next“ und rel=“previous“ angezeigt.

Hilfe durch die XOVI Suite

Das Onpage Tool von XOVI untersucht bei jeder gecrawlten URL auch die Canonical Tags. Es wird in den Fehlern, Hinweisen und Tipps aufgezeigt, wenn es Canonical Tags zu externen URLs gibt. Das ist nicht per se falsch, sondern sollte auf seine Richtigkeit überprüft werden. Auch werden alle URLs aufgelistet, bei denen kein Canonical Tag gesetzt wird. Hier sollte auch geprüft werden, ob nicht ein Canonical Tag auf die URL selbst gesetzt werden kann.

Zudem finden Sie unter Analyse > Meta > Canonical eine schöne Übersicht. Durch Klick auf die jeweilige Anzahl erhalten sie die entsprechenden URLs angezeigt.

Onpage Tool Canonical Links

Canonical Tag in CMS Systemen wie WordPress, typo3 oder Joomla

Sollten Sie ein gängiges CMS wie WordPress, typo3 oder Joomla verwenden, achten Sie auf jeden Fall auf ein Social Plugin um Canoncial Tags individuell konfigurieren zu können. Bei WordPress wären das zum Beispiel die Plugins „All in One SEO“ oder „Yoast SEO“.

Weitere Infos

Google Webmaster-Blog Artikel bei Einführung des Canonical Tag in 2009
https://webmaster-de.googleblog.com/2009/02/bestimmt-eure-kanonische-url.html

Erklärung des Canonical Tags im XOVI Wiki
https://www.xovi.de/wiki/Canonical_Tag