ChatGPT, Perplexity und Gemini zitieren für dieselbe Frage fast nie dieselben Quellen. In unserer Messung von 3.624 KI-Antworten teilten sich zwei Systeme am selben Tag im Schnitt nur 5 Prozent der zitierten Websites. Alle stützen sich zu großen Teilen auf die Websites der Anbieter selbst. Den Unterschied machen die übrigen Quellen: Perplexity greift am häufigsten zu Vergleichslisten, Googles KI-Modus zu YouTube, ChatGPT zu Branchenverzeichnissen. Wer in KI-Antworten genannt werden will, muss deshalb in mehreren unabhängigen Quellen stehen.
So haben wir gemessen
Seit dem 11. September 2026 stellen wir bei taismo, unserer SEO- und GEO-Agentur aus München, jeden Tag dieselben Fragen an fünf KI-Systeme: ChatGPT, Perplexity, Gemini sowie Googles KI-Modus (AI Mode) und die KI-Übersichten (AI Overviews). Inzwischen sind es 74 Fragen. Gespeichert werden der Antworttext und jeder Link, den ein System als Quelle ausweist.
Für diesen Beitrag habe ich die zwei Wochen vom 24. September bis 7. Oktober 2026 ausgewertet: 3.624 Antworten auf 58 Fragen mit zusammen 21.850 zitierten Links. Es sind Fragen, die Unternehmen bei der Suche nach einer SEO-, GEO- oder Marketingagentur stellen, etwa „Welche Agentur hilft mir dabei, in ChatGPT sichtbar zu werden?“ oder „Welche SEO-Agentur in Wiesbaden ist auf lokale Google-Rankings spezialisiert?“. Einige davon stammen wortgleich aus den Suchanfragen unserer eigenen Search Console. Fragen, die eine Agentur beim Namen nennen, habe ich herausgenommen.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die Messung deckt einen Markt ab, Agenturen in Deutschland. Wer nach Software, Reisen oder Gesundheit fragt, bekommt andere Quellen. Die Muster halte ich trotzdem für übertragbar, denn sie folgen aus der Art, wie die Systeme suchen.
Jedes System liest seine eigenen Quellen
Für dieselbe Frage am selben Tag stimmen die zitierten Websites zweier Systeme im Schnitt nur zu 5 Prozent überein. Am wenigsten gemeinsam haben ChatGPT und Gemini sowie ChatGPT und die KI-Übersichten, mit jeweils rund 3 Prozent. 84 Prozent der Websites, die ChatGPT zu einer Frage zitiert, zitiert an diesem Tag kein anderes System.
Auch innerhalb eines Systems bleibt wenig stehen. Stellst du dieselbe Frage am nächsten Tag noch einmal, sind im Schnitt nur 29 Prozent der zitierten Seiten dieselben. Ein Screenshot aus einer einzelnen Abfrage sagt deshalb wenig darüber aus, wie sichtbar ein Unternehmen wirklich ist.
Der Grund liegt in der Technik. Jedes System recherchiert in einem eigenen Bestand: Googles KI-Funktionen im Google-Index, ChatGPT und Perplexity über eigene Such-Crawler. Nach welchen Regeln sie die Treffer auswählen und gewichten, legt keiner der Anbieter vollständig offen.

Abb. 1: Gleiche Frage, andere Quellen. Links die Überschneidung der zitierten Websites zwischen zwei Systemen, rechts die gleich gebliebenen Seiten eines Systems am Folgetag.

Abb. 2: Woraus KI-Antworten ihre Quellen ziehen. Anteil der zitierten Links nach Quellentyp, je System.
Perplexity: Vergleichslisten und Bewertungsportale
Perplexity zitiert die meisten Quellen, im Schnitt 7,4 je Antwort. In 62 Prozent der Antworten steckt mindestens eine Vergleichsliste oder ein Ranking, also Seiten nach dem Muster „Die besten Agenturen für …“. Bewertungsportale und Branchenverzeichnisse kommen in 54 Prozent der Antworten vor. Perplexity zitiert außerdem besonders oft Seiten aus der klassischen Google-Suche: Bei den Fragen nach GEO-Agenturen stammten 20 Prozent seiner Zitate direkt aus Googles Top 10 für vier zentrale Suchbegriffe dieses Marktes wie „geo agentur“, mehr als bei jedem anderen System. Eine Liste, die organisch oben steht, wirkt damit doppelt: In der Google-Suche und als Baustein für Perplexity.
Gemini: Wenige Quellen, meist Anbieterseiten
Gemini nennt die wenigsten Quellen, im Schnitt 3,7 je Antwort. 82 Prozent davon sind Websites von Anbietern selbst: Leistungsseiten, Ratgeber, Über-uns-Seiten. Bei den GEO-Fragen enthielten 41 Prozent der Gemini-Antworten mindestens eine Seite aus Googles Top 10. Wer für den Kopfbegriff seines Marktes rankt, hat bei Gemini die besten Karten. Hier zahlt klassische Suchmaschinenoptimierung am direktesten ein: Eine Leistungsseite, die für den Begriff rankt und die Frage im ersten Absatz beantwortet.
Googles KI-Modus und KI-Übersichten: YouTube
Im KI-Modus ist YouTube die meistzitierte Domain. In 42 Prozent seiner Antworten mit Quellen steckt mindestens ein Video, in den KI-Übersichten in 32 Prozent. Die drei anderen Systeme zitieren praktisch keine Videos. Die beiden Google-Funktionen greifen außerdem als einzige ab und zu auf LinkedIn, Instagram und Reddit zurück, die KI-Übersichten in 11 Prozent ihrer Antworten. Wie beide Google-Funktionen arbeiten, beschreibt Google selbst: Sie setzen für eine Antwort mehrere verwandte Suchen über Unterthemen und Datenquellen ab, das sogenannte Query Fan-out. Als Quelle infrage kommt jede Seite, die indexiert ist und mit Snippet in der Suche erscheinen darf.
ChatGPT: Ein Verzeichnis und viele kleine Anbieterseiten
ChatGPT geht den eigenwilligsten Weg. Bei den GEO-Fragen stammten nur 2 Prozent seiner Zitate aus Googles Top 10, bei den übrigen Systemen 12 bis 20 Prozent. Ein einziges Agenturverzeichnis taucht dort in 69 Prozent der ChatGPT-Antworten mit Quellen auf. Daneben zitiert ChatGPT auffällig viele kleine Anbieterseiten, die den Suchbegriff schon im Domainnamen tragen: 21 Prozent der zitierten Websites, bei den anderen Systemen 4 bis 11 Prozent. Eine kleine Anbieterseite zitierte ChatGPT im Messzeitraum 90-mal, obwohl unter ihrer Adresse beim Nachprüfen nur noch die Fehlerseite des Hosters stand. Das passt zu einer Untersuchung des Tow Center for Digital Journalism: Die dort geprüften KI-Suchsysteme erfanden Links und verwiesen auf kopierte Fassungen von Nachrichtenartikeln.
Was in allen fünf Systemen zählt
Reddit und Wikipedia kamen in unseren Agenturfragen zusammen auf 64 von 21.850 Zitaten. Bei der Frage „Wen soll ich beauftragen?“ tragen andere Quellen die Antwort, und zwar drei:
- Fremde Listen und Verzeichnisse. Die Agenturen, die in unserer Messung am häufigsten genannt werden, stehen auf vielen fremden Bestenlisten und in vielen Verzeichnissen. Eine von ihnen fanden wir in 32 von 64 geprüften. Eine Selbstauskunft gewinnt an Gewicht, sobald Dritte sie bestätigen. Selbst als Anzeige gekennzeichnete Agenturporträts auf zwei großen Verlagsportalen kamen in unserer Messung auf 177 Zitate, die meisten bei Perplexity.
- Die eigene Website mit klaren Aussagen. Anbieterseiten stellen über alle Systeme 68 Prozent der Zitate. Belege helfen dabei: In der Studie, mit der Forschende aus Princeton und Delhi den Begriff Generative Engine Optimization eingeführt haben, steigerten Quellenangaben, Zitate und Statistiken die Sichtbarkeit in KI-Antworten um relativ 30 bis 40 Prozent. Keyword-Stuffing brachte kaum etwas.
- Gleiche Fakten überall. Die Systeme übernehmen Profiltexte aus Verzeichnissen teils wörtlich. Was dort veraltet steht, steht später in der Antwort.
In fünf Schritten in die Quellen
Schritt 1: Finde die echten Fragen. Google zählt Treffer aus den KI-Übersichten und dem KI-Modus im Leistungsbericht der Search Console mit, beim Suchtyp „Web“. Filtere dort die Suchanfragen mit dem regulären Ausdruck ^(\S+\s+){6,}\S+$. Übrig bleiben Anfragen mit sieben oder mehr Wörtern, also meist Fragen, wie man sie einer KI stellt. Bei taismo.de waren das in drei Monaten rund 1.700 Anfragen mit 15.544 Impressionen und keinem einzigen Klick. Ein Teil stammt von Messdiensten, erkennbar an Formeln wie „my location is germany“.
Schritt 2: Prüfe je Frage und System, wer zitiert wird. Nimm 15 bis 20 Fragen, die über einen Auftrag entscheiden, und stell sie jedem System an mehreren Tagen. Notiere jede zitierte Quelle und zähle, wie oft sie vorkommt. So siehst du, welche Listen, Verzeichnisse und Seiten in deinem Markt die Antworten tragen und in welchen davon du fehlst. Diese Quellenanalyse ist der Kern eines GEO-Audits.
Schritt 3: Geh dorthin, wo zitiert wird. Für Perplexity sind das Vergleichslisten und Bewertungsportale, für ChatGPT die Verzeichnisse deiner Branche, für den KI-Modus Videos auf YouTube, für Gemini die Top 10 deiner Kopfbegriffe. Fang mit den Quellen an, die in deiner Zählung am häufigsten vorkommen. Viele Verzeichnisse setzen ihre Links auf nofollow und bringen dir keinen Linkwert. Für die KI-Antwort zählt trotzdem, was im Profil steht: Firmenname, Ort, Leistungen und Belege wie Auszeichnungen oder Bewertungen, überall in derselben Fassung.
Schritt 4: Lass die Such-Crawler herein. Sperrt deine robots.txt den OAI-SearchBot, zeigt ChatGPT deine Seiten laut OpenAI nicht in seinen Suchantworten. Perplexity empfiehlt, den PerplexityBot zuzulassen. Den Trainings-Crawler GPTBot kannst du unabhängig davon sperren.
Schritt 5: Miss über Wochen. Weil sich die Quellen von Tag zu Tag zu großen Teilen ändern, braucht eine Messung dieselben Fragen über mehrere Wochen, ausgewertet je System. Zähle dabei zwei Werte getrennt: Wie oft erscheint deine Website als Quelle, und wie oft steht dein Name in der Antwort? Eine Seite kann als Quelle dienen, während die Antwort andere Anbieter empfiehlt. Wenn du eine Agentur für KI-SEO beauftragst, lass dir diese Auswertung je System zeigen.
Auf die Frage aus dem Titel gibt es damit fünf Antworten, eine je System. Für die meisten Unternehmen beginnt die Arbeit bei den zwei, drei Quellen, die für ihre wichtigsten Fragen am häufigsten zitiert werden. Ein sauberer Eintrag mit belegten Fakten wirkt dort in mehreren Systemen gleichzeitig.
Quellen
- Google Search Central: AI features and your website. Stand 10.12.2025.
- OpenAI: Overview of OpenAI Crawlers. Abgerufen am 08.10.2026.
- Perplexity: Perplexity Crawlers. Abgerufen am 08.10.2026.
- Pranjal Aggarwal, Vishvak Murahari, Tanmay Rajpurohit, Ashwin Kalyan, Karthik Narasimhan, Ameet Deshpande: GEO: Generative Engine Optimization. KDD 2024, Fassung vom 28.06.2024.
- Klaudia Jaźwińska, Aisvarya Chandrasekar: AI Search Has a Citation Problem. Columbia Journalism Review, Tow Center for Digital Journalism, 06.03.2025.