Error 404 – Schluss mit der Sackgasse! Eine Anleitung

Sackgasse 404

12.07.2016

Zur Suchmaschinenoptimierung gehören nicht nur das Erstellen von Inhalten mit speziell optimierten Keywords oder der Aufbau von Backlinks, sondern auch die Verbesserung der Usability. Besucher sollen auf der jeweiligen Webseite ungestört surfen können und im besten Fall eine klare Struktur vorfinden. Google nennt dieses Bestreben Steigerung der „Nutzererfahrung“.

Es ist ein ganz normaler Vorgang: Inhalte auf Webseiten entfallen oder es werden Inhalte mehrerer Unterseiten zusammengefasst. Einige URLs fallen dann weg, weil der Content ja dann nur noch auf einer einzelnen Seite zu finden ist. Bei Webshops gibt es immer eine gewisse „Produktfluktuation“. So werden beispielsweise neue Produkte in den Shop aufgenommen oder alte Artikel entfernt, weil sich das Sortiment verändert.

Logischerweise ist die URL der jeweiligen Seite dann nicht mehr erreichbar. Der Besucher der Website landet beim Klicken auf einem nicht entfernten oder nicht aktualisiertem internen Link oder durch einen Backlink von einer externen Website auf einer Fehlerseite, die den http-Fehler 404 serverseitig zurück gibt. Auch von Google können die Besucher kommen, wenn die weggefallene URL noch im Index zu finden ist.

Schlecht für Nutzer und Suchmaschine

In dem beschriebenen Fall hat der User nicht das gewünschte Ziel erreicht, die Nutzererfahrung ist schlecht. Analysen zeigen auch, dass dies in den meisten Fällen der Grund für einen Absprung ist: Die Website wird verlassen und der Besucher geht verloren.

Auch für Suchmaschinen ist eine nicht gefundene Seite schlecht. Dies ist gerade dann der Fall, wenn es keine weiterführenden internen Links gibt, denen Google folgen kann. Der Crawler kann also nicht weiter die Website erfassen. Das oben beschriebene Verhalten der Nutzer, die an diesem Punkt die Website verlassen, sorgt auch für negative Nutzersignale bei Google. Nutzersignale sind starke Rankingfaktoren, weil Google hierbei herausfinden will, von welcher Qualität die Webseiten für die Nutzer sind. Die Folge können Verluste bei den Rankings für die ganze Domain sein, wenn es viele nicht erreichbare Seiten gibt.

Man geht auch davon aus, dass Google jeder Website eine Art „Crawling-Budget“ zuweist, d.h. eine bestimmte Anzahl von Seiten, die beim Besuch des Googlebot gecrawlt werden. Die nicht mehr vorhandenen Seiten werden dann völlig umsonst gecrawlt und vergeuden so das Crawling-Budget.

Ein weiterer, schlechter Effekt ist auch, dass Links von externen Seiten ihren Linkjuice nicht mehr effektiv weiter geben können, da beim Linkziel der Statuscode 404 (nicht vorhanden) zurückgegeben wird. Kein Vertrauenssignal für Google.

Ob Google auf Ihrer Seite nicht erreichbare Unterseiten entdeckt hat, können Sie direkt bei Google überprüfen: in der Search Console stellt Google diese Informationen zur Verfügung. Für die Suchmaschine ist übrigens eine nicht aktuelle Sitemap eine Möglichkeit, auf eine nicht mehr vorhandene URL zu kommen.

Search Console 404

Auch in der XOVI Suite können Sie mit dem Onpage-Tool diese Seiten ausfindig machen. Wenn Sie Ihre Domain als Projekt angelegt haben und dann eine Onpage-Analyse gestartet haben, finden Sie im Menüpunkt „Onpage > Analyse > Interne Dokumente > Überblick“ eine Übersicht aller durch XOVI gecrawlten Dokumente der Website. Nutzen Sie hier den Filter auf die Spalte „http-Code“, um alle URLs aus der Liste herauszufiltern, die den Status 404 zurück liefern. Wir zeigen dies hier einmal für die Domain koeln.de.

XOVI Suite Interne Dokumente

Wenn Sie dort nun auf eine URL klicken sehen Sie auch direkt, von wo diese Website intern verlinkt wird.

XOVI Suite Onpage Links

Mit diesen Infos haben Sie nun die Möglichkeit, die internen Links zu korrigieren oder zu entfernen, damit Ihr Webseitenbesucher und Google gar nicht mehr in der 404-Sackgasse landen können.

Wie löst man dieses Problem sowohl für den Webseiten-Besucher als auch für Google?

Nicht optimal: Sie können alle Besucher, die auf nicht mehr vorhandenen Seiten landen auf die Startseite weiterleiten. Das ist zwar eine oft praktizierte, aber nicht optimale Lösung. Zwar landen Besucher und der Googlebot nicht mehr in einer Sackgasse, aber insbesondere Nutzer werden verwirrt sein. Diese haben vermutlich auf einen internen Link geklickt und erwarten auf der Website eine bestimmte Information. Sie landen dann aber auf der Startseite und wissen nicht warum. Eine Fehlermeldung oder ein Hinweis erscheinen nicht. Der Besucher springt ggfs. ab, weil er die gewünschte Info nicht bekommt.

Für die Suchmaschine handelt es sich um einen sog. Soft-404. Die angesteuerte URL liefert dann keinen 404-Code zurück und signalisiert der Suchmaschine, dass die Seite crawlbar ist und indexiert werden kann. Da es sich aber um die Startseite handelt, auf die umgeleitet wurde, liegt hier ein Problem für die Suchmaschine vor. Versuchen Sie dies zu vermeiden.

Gute Beispiele: Richten Sie eine individuelle 404-Seite ein und bieten Sie dem Nutzer selbst auf dieser Seite einen Mehrwert und halten Sie ihn auf der Seite. Wichtig ist zudem, dass diese Fehlerseite nicht den Status-Code 200 (erreichbar) sendet, sondern eben den Status-Code 404. Das sendet der Suchmaschine das richtige Signal.

Auch bei der Erstellung von individuellen 404-Fehlerseiten kann man unterschiedlich vorgehen.

Folgende Checkliste sollten Sie durchgehen:

  • Hinweis auf einen 404-Fehler
    Wenn Sie eine nicht vorhandene Seite auf eine Fehlerseite weiterleiten, dann erstellen Sie dort einen Hinweis, dass die gesuchte Seite nicht mehr existiert. Das hilft dem Besucher sich zu orientieren, warum er nicht den gewünschten Inhalt finden kann.
  • Logo und Webseitentitel
    Auf der 404-Seite sollte das Logo zu sehen sein oder der Titel Ihrer Seite. Viele Besucher kommen auf diese Seite von einer Suchmaschine oder einen externen Backlink. Sagen Sie ihm, auf welcher Seite er gelandet ist. Das Logo sollte zudem ein Link zur Startseite enthalten.
  • Suchfunktion
    Bieten Sie dem „gestrandeten“ Besucher eine Suchfunktion als Formularfeld direkt auf der Fehlerseite an. Der Besucher bleibt dadurch ggf. auf Ihrer Seite und sucht weitere Seiten auf.
  • Produktkategorien oder beliebte Produkte zeigen
    Bei Webshops bietet es sich an, Produktkategorien aufzulisten. Wenn jemand z. B. in Ihrem Shop ein bestimmtes Paar Schuhe kaufen wollte und diese URL der Produktseite gibt es nicht mehr, dann könnte ein Link zur entsprechenden Shop-Kategorie helfen, um ein anderes Paar Schuhe zu kaufen. Sie könnten auch direkt auf der Fehlerseite die beliebtesten Produkte einblenden, damit der Besucher direkt darin stöbert.
  • Kontaktformular einbauen
    Bieten Sie Ihren Besuchern eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme an. Entweder Sie binden direkt ein Kontaktformular in die Fehlerseite ein oder einen Link zu einem Kontaktformular. Der User könnten Sie zudem über falsch verlinkte Seiten informieren.
  • Seien Sie kreativ
    Der Besucher Ihrer Website wird es Ihnen danken, wenn Sie kreativ bei der Erstellung von Fehlerseiten vorgehen.

Hier finden Sie einige schöne Beispiele:

XOVI  404 Seite
XING  404 Seite
Lieferando  404 Seite
Köln 404 Seite
Fleurop 404 Seite
Felix Beilharz 404 Seite

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