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Virtual Reality Marketing

Dominik Strzoda

Dominik Strzoda | 15.12.2016

VR Marketing

Mobile Marketing, Affiliate Marketing, Suchmaschinenmarketing, Influencer Marketing – die Begrifflichkeiten im Online Marketing spiegeln auch immer die neusten Trends, Techniken und Möglichkeiten wieder. In den themenrelevanten Blogs, Zeitschriften und Vorträgen sind sie längst zum Mainstream geworden.
Doch während du die vorher genannten Begriffe hoffentlich schon alle kennst und (da wo es sinnvoll ist) auch schon für dich nutzt, ist eine Begrifflichkeit noch nicht im Alltagssprachgebrauch der Marketers angekommen: Virtual Reality Marketing (VRM).

Das ist eigentlich mehr als verwunderlich, da die Technik längst zugänglich für den Verbraucher ist und alle Zeichen darauf hindeuten, dass VR der nächste große Trend ist.

Aber lass uns ganz vorne anfangen:

Was ist VR?

„Virtuelle Realität (VR) ist die Schaffung einer scheinbaren Welt in die der Betrachter eintauchen, sich in ihr bewegen und seine Fantasien und Vorstellungen umsetzen kann. Es ist eine vom Computer geschaffene Welt ohne reale Gegenstände.“

(Quelle: www.itwissen.info/definition/lexikon/Virtuelle-Realitaet-VR-virtual-reality.html)

Diese doch recht trockene Definition beschreibt den Sachverhalt „VR“ zwar schon sehr gut, lässt aber einen ganz entscheidenden Faktor aus. VR ist in erster Linie ein Erlebnis! Das kann wohl so ziemlich jeder bestätigen, der bereits das Vergnügen hatte eine dieser klobigen Brillen aufzusetzen. Dabei wird das Erlebnis umso intensiver, je realer und interaktiver die virtuelle Realität gestaltet ist. Dieses „Eintauchen“ in die Welt aus Pixeln wird auch „Immersion“ genannt.

Welche VR Systeme gibt es?

Virtual Reality ist nicht neu. Bereits in den 90ern gab es erste Systeme in Arcade Hallen, die einen in pixelige Welten entführte. Doch in den letzten paar Jahren ist der Hype neu entbrannt. Mittlerweile gibt es VR-Brillen, auch Head Mounted Displays (HMD) genannt, für beinahe(!) jede Preiskategorie.

Die Samsung Gear VR startet z.B. schon ab ca. 70€. Allerdings muss in die Brille, die lediglich als Halterung dient, noch ein Samsung Galaxy S7 Smartphone eingesetzt werden.

Wenn man im Besitz dieses Smartphones ist, ist das Virtual Reality Erlebnis relativ günstig zu haben. Da die Grafik und Rechenleistung vom Smartphone kommt, kann man hier eher von einem Einsteigersystem sprechen.

Die PlayStation VR ist seit Oktober auf dem Markt und gibt es für 399€ zu haben. Die Rechenleistung muss allerdings von einer PlayStation kommen, die aktuell auch nochmal mit ca. 300€ zu Buche schlägt. Das System fokussiert sich aktuell noch sehr stark auf den Gaming-Bereich, was jedoch nicht heißt, dass es in Zukunft nicht weitere Apps aus anderen Bereichen geben wird.

Die Oculus Rift dagegen ist ein System was sich eher im Highend Bereich ansiedelt. Der Preis von ca. 600€ spricht deutliche Bände, vor allem wenn man bedenkt, dass für die Controller nochmal ca. 200€ hinzukommen. Zudem ist für die Rechenleistung ein leistungsstarker Gaming-PC notwendig, für welchen mindestens auch nochmal ca. 800€ anfallen. Mit diesem System hat man dann aber auch ein VR-Erlebnis, was Seinesgleichen sucht. Der mitgelieferte Sensor erkennt wo die Brille sich im Raum befindet, sodass ducken und Bewegungen auch in der virtuellen Welt wiedergespiegelt werden.

Ähnlich zur Oculus Rift ist die HTC Vive. Diese kommt mit zwei Controllern und zwei Sensoren und kostet zusammen ca. 900€. Auch hier ist ein starker Gaming-PC für die Rechenleistung erforderlich. Das Erlebnis ist aber ähnlich spektakulär zur Oculus Rift.

Dies ist nur eine grobe Auswahl der bekannteren VR-Systeme, die derzeit am Markt sind. Noch ist nicht abzusehen, welches System am Ende die Nase vorn haben wird und als Marktführer in die Wohnzimmer der Welt Einzug halten wird. Am Ende wird es sicherlich derjenige Anbieter, welcher als erstes die Schwächen der heutigen Systeme löst. Dies bedeutet die Kabel an den Brillen müssen verschwinden, um die Bewegungsfreiheit nicht einzuschränken und die Grafik muss dennoch hochwertig sein. Außerdem muss auch der noch hohe Preis deutlich gesenkt werden.

Welche VR-Marketing Möglichkeiten gibt es?

So, nachdem du jetzt auf dem aktuellen Stand der VR-Technik bist wird es Zeit über die Möglichkeiten des Marketings zu sprechen.
Grundsätzlich befinden wir uns noch in einer sehr jungen Phase des VR-Marketings. Dies bedeutet zum einen wir können noch gar nicht wissen was alles möglich ist und sein wird, zum anderen aber auch, dass du immer noch First Mover sein kannst.

Ein paar beeindruckende Beispiele, wie VR für das Marketing genutzt werden kann, gibt es allerdings schon:

Audi bietet demnächst virtuelles Showrooming der eigenen Fahrzeuge in den Autohäusern an. Der Vorteil ist, dass der Kunde sich sein Fahrzeug nicht nur individuell konfigurieren kann, sondern das Fahrzeug auch an einem Ort projeziert wird, der zu dem Kunden passt. So kann ein Fahrzeug in der Stadt, auf der Rennstrecke oder im Gelände dargestellt werden. Der Kunde kann zudem in das innere des Fahrzeugs hineinschauen und sich neben dem Innenraum auch den Motor, bis hin zur einzelnen Schraube anschauen.

Ein Video zu der VR-Experience von Audi findest du auf meiner FB-Page: https://www.facebook.com/StrzodaOnline/videos/

Die Hotel- und Tourismusbranche nutzt VR bereits vereinzelt, um Reisegebiete und Hotelzimmer zu präsentieren. Derzeit werden dazu noch hauptsächlich 360° Videos genutzt, die nicht sehr interaktiv sind, aber wohin die Reise gehen kann ist bereits jetzt erkennbar. Zukünftig werden wir wohl die Orte virtuell besuchen, bevor wir sie dann im echten Leben bereisen.

Auch die Filmindustrie ist bereits auf den Virtual-Reality-Zug aufgesprungen. Viele haben bestimmt das erste 360° Video bei Facebook gesehen, welches ein Promo-Video für Star Wars war. Die Macher der neuen HBO Serie Westworld sind nun einen Schritt weiter gegangen und haben auf der Comic Con in New York ein VR-Erlebnis präsentiert, in der eine Szene aus der ersten Folge virtuell „nachgespielt“ werden konnte. Den ganzen Bericht dazu gibt es hier: http://www.businessinsider.com/westworld-virtual-reality-experience-2016-10?IR=T/#the-vr-narrative-starts-with-choosing-a-hat-and-gun-and-then-flashes-into-the-park-it-doesnt-take-long-before-things-start-to-go-horribly-wrong-10

VR Marketing: Virtual Reality Erlebnis von Westworld

Der Outdoor-Schuh Hersteller Merrell ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Um den Kunden das Gefühl von Outdoor, Wandern und Abenteuer näher zu bringen, haben sie ein virtuelles Erlebnis der Extraklasse geschaffen. Die Kunden wandern in den Bergen und spüren dabei den Wind und erleben auch einen Felsrutsch hautnah mit.
Hier das Video dazu:

Was wird noch möglich sein?

Die derzeitigen VR-Marketing Ansätze begrenzen sich noch größtenteils auf virtuelle oder reale 360° Videos, die den mitunter wichtigsten Punkt des VR-Erlebnisses nicht nutzen: Interaktion. Hier eröffnen sich Potenziale, die noch gar nicht vorstellbar sind.

Erst vor kurzem hat Mark Zuckerberg die nächste Entwicklungsstufe der Oculus Rift vorgestellt. Eine kabellose Brille und eine VR-Experience, die es den Nutzern erlaubt sich in der virtuellen Realität zu treffen. Zudem können virtuelle Gegenstände ausgetauscht werden, Video-Anrufe getätigt werden und virtuelle Selfies geschossen werden.

Spinnt man den Gedanken der sozialen virtuellen Realität weiter und nimmt den Marketingfaktor hinzu, landet man unweigerlich bei virtuellen Shops, wo Produkte aus allen Perspektiven angeschaut werden können, während man von einem Promi-Testimonial als Verkäufer beraten wird.

Mit VR könnte zudem die große Stunde der Möbel- und Einrichtungshäuser schlagen. Wie faszinierend wäre das, wenn man bei der Küchenplanung direkt durch seine zukünftige Küche wandern könnte.

Lässt man seine Fantasie hier erst mal von der Leine, eröffnen sich einem unzählige Marketingmöglichkeiten für den Einsatz von VR.

Bei Madame Tussauds in New York geht man derzeit sogar noch einen Schritt weiter. Hier wird nicht mehr von Virtual Reality gesprochen sondern von Hyper Reality.
Zum Start des neuen Ghostbusters Films wurde ein VR-Erlebnis kreiert, bei dem die Besucher virtuell auf Geisterjagd gehen konnten. Dabei mussten sie eine Weste tragen, die vibrierte wenn ein Geist durch sie hindurch flog. Außerdem wurde mit Wind und einem wackelnden Boden gearbeitet, der einen Fahrstuhl simulieren soll. Dadurch, dass mehrere Sinne angesprochen werden, wird die Virtual Reality zur Hyper Reality.

Take Home Message

Mir ist bewusst, dass sich die Nutzerzahlen von VR noch in Grenzen halten. Die Systeme sind zum Teil noch teuer und etwas klobig. Zudem ist das Kreieren von virtuellen Welten aufwendig und kann gut gerne schon mal sechsstellige Kosten verursachen.

Doch VR wird sich durchsetzen, genauso wie sich der Fernseher und das Handy durchgesetzt haben. Die Frage lautet nur wann wird es soweit sein. Ich kann dir also nur empfehlen diesen Trend zu verfolgen und dir bereits erste Gedanken zu machen, wie du diese neue virtuelle Welt für dein Marketing nutzen kannst.

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