System-Relaunch? – 7 Punkte, die Sie bedenken sollten

12.10.2015

Das CMS ist veraltet? Die Website ist nicht responsiv? Das Layout ist nicht mehr zeitgemäß und passt nicht mehr zum neuen, teuer erstellten Corporate Design? Es gibt viele Gründe für den Relaunch einer Website oder eines Online-Shops. Damit sich ein solches Mammut-Projekt auch lohnt, macht es Sinn, neben den akuten Themen auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen. Gibt es vielleicht darüber hinaus noch weitere vitale Punkte Ihrer Website, die in Angriff genommen und verbessert werden könnten? Welche Punkte dies typischerweise sind, haben wir an dieser Stelle für Sie zusammengestellt – denn nichts ist ärgerlicher, als nach einem teuren und zeitaufwändigen Website-Relaunch auf eine Anfrage das folgende Feedback aus der Technik oder der betreuenden Agentur zu bekommen: „Achso, das wollten Sie auch haben? Nein, dann hätten wir die Sache ganze anders angehen müssen…“

1: Ist mein CMS/Shop-System noch zeitgemäß?

Eventuell haben Sie sich diese Frage bereits gestellt und mit „Nein“ beantwortet; in diesem Fall ist wahrscheinlich ein Systemwechsel einer der Hauptgründe für den Relaunch (Haben Sie an die Machbarkeit einer Migration Ihres Contents in das neue System gedacht?). Gut so! Kein System sollte als gesetzt gelten, nur weil es „immer da war“. Doch was sind die Kriterien, die bei den Überlegungen zu dieser Frage berücksichtigt werden sollten? Eine solche Liste würde sicher genug Inhalt für einen weiteren Artikel bieten, dennoch sollen hier die wichtigsten Punkte genannt werden:

  • Zeiteffizienz: Das Einpflegen von Inhalten sollten Sie weder viel Zeit noch nerven kosten
  • Es sollte aktiv gewartet werden: lassen Sie ihr System nicht zum Sicherheitsrisiko werden! Scheuen Sie auch nicht den Wechsel auf die neuste Major-Version – je länger Sie ein Update hinauszögern, desto schwieriger wird es! Stellen Sie sich folgende Fragen: in welchen Abständen erscheinen Sicherheitsupdates? In welchen Abständen werden neue Funktionen bereitgestellt?
  • Erweiterbarkeit: Alle ernstzunehmenden Content-Management-/Shop-Systeme sind
    heutzutage über ein Plugin-System erweiterbar. Neue Ansprüche an eine Website stellen sich jeden Tag – allerdings sollten Sie nicht für jede Anpassung teuer bezahlen müssen, weil sie von Spezialisten teuer programmiert werden muss.

Wenn Sie diese drei Fragen mit „Ja“ beantworten können, stehen wir schon kurz vor dem
„Zeitgemäß“ Siegel für Ihr System. Allerdings wäre da noch diese, absolut entscheidende Frage:

2: Versetzt mich mein CMS/Shop-System in die Lage, meinen Content so aufzubereiten, wie ich es möchte?

Eine Website besteht aus vielen Einzelbereichen. Welche dieser Bereiche sind für Sie wichtig? Können Sie diese Bereiche allesamt selbst pflegen? Auch im Jahr 2015 treffen wir regelmäßig auf Kunden, die Inhalte teuer über eine Agentur einpflegen lassen, obwohl dies mit einem passenden CMS sogar für eine studentische Hilfskraft in Windeseile erledigt wäre. Doch nicht nur das einfache Einpflegen ist entscheidend: können Sie z.B. auf suchmaschinen-relevante Parameter Ihres Contents zugreifen? Können Sie z.B. Meta-Tags, (Browser-)Titel-Zeile, Rich-Snippets usw. beeinflussen? Können Sie so in das Layout der Website eingreifen, wie Sie es möchten bzw. so wie Ihr Content es gebietet?
Sollte dies nicht der Fall sein, empfehle ich Ihnen dringlich, einen Systemwechsel in Betracht zu ziehen.

3: Ist meine Website bereits für Mobilgeräte optimiert? Wenn nicht – wieviele meiner Website-Besucher sind mit dem Smartphone/Tablet unterwegs?

Diese Frage sollte Ihnen alles andere als fremd sein. Wenn nicht – es ist definitiv höchste Zeit. Seit dem 21.04.2015 hat Google begonnen, Webseiten, die nicht für Mobilgeräte optimiert sind, schlechter zu bewerten. Auch wenn dies zunächst nur für mobile Suchanfragen gilt – die Richtung ist klar: das Internet wird immer mobil(er). Falls Sie es noch nicht tun: nutzen Sie kostenlose Tools wie z.B. Google Analytics oder Piwik und machen sich selbst ein Bild davon, wieviele Ihrer Besucher mobil zu Ihnen kommen. Wir empfehlen unseren Kunden schon ab 20% mobiler Besucherschaft ernsthaft über eine Optimierung für Smartphones und Tablets nachzudenken, in den meisten Fällen liegt die Quote aber bereits deutlich höher.

4: Ist der HTML-Code meiner Website für Suchmaschinen optimiert?

Strukturierter Quellcode ist wichtig! Haben Sie bereits begonnen, Ihren Quellcode mit semantischen Informationen – sogenannten „Rich Snippets“ auszustatten? Online-Shops können z.B. Informationen über Preise, Bewertungen, Hersteller, EAN-Nummer usw. des aktuellen Produktes angeben und damit dann deutlich prominenter in den SERPs dargestellt werden. Doch nicht nur
„Rich Snippets“ können den Quellcode aufwerten: Haben Sie alle Links mit dem „title“- und alle Bilder mit einem „alt“-Parameter ausgestattet? Setzen Sie Überschriften (< h1>, < h2>, usw.) sinnvoll ein? Es gibt diverse Möglichkeiten, den HTML Code der eigenen Seite zu optimieren.

Nicht alle Änderungen sind dabei bloß „für die Suchmaschine“, sondern durchaus performance- relevant: die meisten Suchmaschinen bevorzugen Seiten, die CSS und JavaScript möglichst spät, um genau zu sein: „below the fold“ einbinden. Hier geht es darum, dass jede CSS bzw. JavaScript Datei, die eingebunden wird, einen weiteren HTTP-Request auslöst, der wiederum Zeit kostet.
Befinden sich CSS und JavaScript im Kopfbereich des Quellcodes, muss der Browser zunächst all diese Dateien herunterladen, bevor er etwas darstellen kann; häufig wäre aber auch schon eine Darstellung von Inhalten möglich, lange bevor alle zusätzlichen Assets heruntergeladen wurden – es geht also um Geschwindigkeitsoptimierung. Auch das Aggregieren und Komprimieren dieser Dateien kann helfen, weitere Punkte gut zu machen. Google selbst bietet ein Tool zur Überprüfung des „Page Speed“ an: https://developers.google.com/speed/pagespeed/

5: Ändern sich die URLs meiner Website im Zuge eines Systemwechsels?

Sie haben über die vergangene Monate oder sogar Jahre hart dafür gearbeitet, dass Ihre Website von Suchmaschinen komplett indiziert wird und weit oben in den SERPs auftaucht – denken Sie daher frühzeitig daran, welche Auswirkungen eine Änderung der URL-Struktur ausmachen kann!
Wahrscheinlich haben Sie Deeplinks auf externen Seiten platziert, die im Zweifel ins Leere laufen; die Bookmarks Ihrer Besucher führen plötzlich auf eine 404-Fehlerseite und eine Sitemap, bei der ein Großteil der Links auf nicht mehr vorhandenen Content zeigt, wird sich recht schnell auf Ihr Ranking auswirken. Sammeln Sie daher rechtzeitig eine möglichst vollständige Liste aller Seiten und sorgen Sie dafür, dass diese über 301-Redirects auf die neue Seite weiterleiten.

6: Ist meine Hosting-Umgebung meinen Anforderungen auch langfristig noch gewachsen?

Es macht durchaus Sinn, bei größeren Änderungen am System auch mal das Hosting in Frage zu stellen. Viele von Ihnen werden die eigenen Websites Inhouse hosten – sofern es eine Möglichkeit gibt, sprechen Sie mit Ihren Administratoren, welche Möglichkeiten bestehen, die Server auf den neusten Stand zu bringen. Arbeiten Sie bereits mit SSD-Servern? Verwenden Sie einen Apache oder einen nginx-Server? Gerade wenn Sie bei einem Hosting-Dienstleister Kunde sind, sollten Sie sich spätestens nach 2 Jahren mit diesem zusammensetzen und überlegen, welche Möglichkeiten für ein Upgrade bestehen. Allein der Wechsel auf die neueste Version Ihrer serverseitig arbeitenden Skriptsprache kann bereits einen Performance-Zuwachs bringen.

Schauen Sie sich vor dem Gespräch mit Ihrem Ansprechpartner verschiedene Benchmarks zum Thema an und gehen Sie mit klaren Vorstellungen in die Verhandlungen; aus unserer Erfahrung können wir sagen: ein Wechsel zu einem engagierten Hoster, der Sie tatkräftig beim Umzug unterstützt kann durchaus lohnenswert sein, wenn der alte Hoster nicht in der Lage ist, Ihr System zeitnah aufzurüsten.

7: Ist jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt für einen Relaunch?

Diese Frage mag auf den ersten Blick überraschen, dennoch möchte Sie stellen. Im besten Fall konnte ich mit den vorhergehenden 6 Fragen in Ihrer Planung keinen Staub aufwirbeln, da Sie bereits alles berücksichtigt haben; in diesem Fall lautet die Antwort auf diese letzte Frage für Sie wohl eindeutig: ja! Wenn ich Sie allerdings im Bezug auf den ein oder anderen Punkt nochmal ins Grübeln gebracht habe, kann ich nur empfehlen: überarbeiten Sie erneut Ihre Planung. Warum ein System nur zu 50% oder 60% erneuern? Sicher – Kosten sind immer ein Argument. In den meisten Fällen sind die angesprochenen Punkte aber kostengünstig umzusetzen; ohne Frage bildet ein kompletter Systemwechsel da eine deutlich Ausnahme. Wenn Ihr System allerdings nicht mehr Ihren Ansprüchen genügt und nicht die gewünschten Ergebnisse liefert, werden sich die Kosten für den Wechsel mit Sicherheit auch bald amortisieren.

Fazit

Unsere Erfahrung mit Kunden unterschiedlichster Größe zeigt, dass die meisten Kunden sehr an Ihrem System hängen – obwohl meist viele Gründe für einen Wechsel sprechen. Häufig besteht vor allem Angst vor einer zeitintensiven Einarbeitung in das neue System ganz oben auf der Liste der Faktoren, die einen konstruktiven Neustart ausbremsen. Diesem Argument müssen wir ganz klar widersprechen: diese Angst rührt meist von der Erinnerung an die Einarbeitung in das aktuelle System, welches ja bereits als nicht mehr zeitgemäß ausgemacht wurde; ein neues System, welches aber ebenso wenig intuitiv ist, kann nicht das Ziel eines Wechsels sein. Suchen Sie sich einen Ansprechpartner Ihres Vertrauens und formulieren Sie die Anforderung eines schnell erlernbaren Systems ganz klar – die meisten modernen (Open-Source-)Systeme sollten dies nicht zu einem Problem machen. Im Zweifel müssen durch Anpassungen im Backend weitere Vereinfachungen geschaffen werden.

Keine Angst vor dem Wechsel – ein gut geplanter, sorgfältiger und vor allem nachhaltiger Relaunch kann Sie nur nach vorne bringen.

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  • Euer Artikel spricht die meisten Aspekte an, die wir auch für unsere Kunden im Blick haben. Wir empfehlen zusätzlich, den gesamten Content und das dahinter stehende Konzept einer kritischen Bewertung zu unterziehen. Welche Inhalte dienen überhaupt noch den Interessen von Besuchern und Unternehmen? Welche neuen Formate können mit dem Relaunch eingeführt werden? Ein Relaunch ist die ideale Gelegenheit, nicht nur die Optik, sondern auch den Inhalt zu modernisieren.